Aufmerksame Leser meines Blogs wissen, dass ich gerne reise. So bin ich in der Vergangenheit schon häufig allein zu Freunden oder zu Veranstaltungen auch in mir unbekannten Städten gereist. Ganz allein im Urlaub war ich allerdings zuvor noch nie. Meinen Winterurlaub wollte ich vergangenes Jahr dennoch nicht Zuhause verbringen, nur weil keiner meiner Freunde Zeit zum gemeinsamen Reisen hatte.

Ein Skiurlaub stand schon lange auf meiner "Bucket List". Bei BBSB-Veranstaltungen hatte ich schon viel positives von dem auf Blinde und Sehbehinderte eingestellten AURA-HOTEL Saulgrub gehört. Ich, klickte mich also einfach mal auf deren Webseite umher. In der Zeit vom 05. Januar bis zum 02. März steht - wie ich erfahren konnte - im AURA-HOTEL alles unter dem Motto "Aktiver Winterurlaub" mit Skiangeboten. Wenn das mal kein Wink des Schicksals war.

Urlaub buchen und die Vorbereitungen

Nachdem ich mich zum Alleinreisen entschieden hatte, war das Skiurlaub-Buchen super easy! Ein kurzer Anruf genügte und schon war klar, dass ich für eine Woche einen der begehrten Plätze ergaunern konnte. Auch erhielt ich eine positive Antwort auf meine brennendste Frage: Eine Mitarbeiter*in wird sich in der Zeit in der ich in der Loipe unterwegs bin um Denny kümmert.

Von diesem Zeitpunkt an vergingen die Tage bis zu meinem Urlaub nur sehr schleppend. Dann war es aber endlich soweit und die Nacht zum Abreisetag war sehr kurz. Durch ein spontanen Treffen mit Freunden kam ich erst spät ins Bett, die Vorfreude und Aufregung taten ihr Übriges.

Sonntagvormittag: Die Anreise

Pünktlich um 6:30 Uhr klingelte mein Wecker. Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem großen Spaziergang mit Denny konnte ich Richtung Hauptbahnhof starten. Am Hauptbahnhof angekommen, machte ich mich auf die Suche nach dem richtigen Gleis, was bei der Größe des Münchner Hauptbahnhofs und der Baustellensituation nicht ganz einfach ist. Am Gleis angekommen, hieß es wie so häufig Warten auf den Zug. Nach ein paar Minuten war es soweit und der Zug fuhr ein. Als endlich alle Reisenden nach München ausgestiegen waren, konnten Denny und ich den Zug besteigen und die Reise konnte beginnen.

Pünktlich 11.32 Uhr ging es mit Sonnenschein los. Die DB Navigator App sagt 55 Minuten von München nach Murnau. Kurz nach dem Halt in Weilheim erwähnte ein anderer Fahrgast, dass es begonnen hatte zu schneien. So langsam wurde ich freudig nervös. Als Denny und ich in Murnau den Zug verließen, wurden wir gleich vom zuvor über die Gästebetreuung des AURA-HOTEL bestellten Taxifahrer in Empfang genommen und so erreichen wir unser Ziel.

Sonntagmittag: Die Ankunft

Als wir durch die Tür des Hotels gingen, fühlen wir uns gleich Heimisch. Schon die Eingangshalle ist so gemütlich eingerichtet und liebevoll geschmückt, dass wir uns direkt wohl fühlten. Nachdem ich die Anmeldung erledigt hatte brachte uns ein Mitarbeiter zu unserem Zimmer. Anschließend zeigte er mir gleich noch das komplette Hotel. Das AURA-HOTEL gehört zum BBSB und so verwundert es nicht, dass ein Großteil des Hotel mit Leitlinien ausgestattet ist und alle Beschriftungen sowohl erhaben als auch in Brailleschrift angebracht sind.

In dem Hotel gibt es 39 Einzel- und 25 Doppelzimmer. Denny und ich schlafen in einem Zimmer, welches speziell für Gäste mit Hunden eingerichtet wurde. Dieses kommt mit zwei Fressnäpfen, einer Hundedecke und einer ganz in der Nähe liegenden Hundedusche daher. Nachdem wir uns eingefunden hatten gönnte ich mir erst einmal "a Haferl Kaffee" mit leckerem Käsekuchen in der ruhiger Atmosphäre, welche das Interieur, die bunt gemischte Kombi der Gäste, als auch die Mitarbeiter verbreiten.

Sonntagabend: Das Abendessen

Auf der perfekt vom Zimmer erreichbaren Hundewiese fand Denny sogleich einige Spielkameraden und ich konnte auf dem Rückweg noch die beiden Fitnessräume auschecken. Nach der langen Reise und dem kompletten Erkunden des Hotels hatte ich mir ein Abendessen wirklich verdient.

Also ging's ins hauseigene Restaurant. Vorab hatte ich gehört, dass man in diesem gut essen kann, und ich sage mal so: mir wurde nicht zu viel versprochen. Kurz nach dem Eingang stieß ich gleich auf eine Schlange von Menschen. Als Ostdeutscher, der ich nun mal bin, habe ich mich direkt hinten angestellt :-) So fand ich schnell heraus, dass es hier ein Buffet gibt. Buffets waren bisher für mich immer ein Graus, da ich nicht weiß, was es alles gibt und wo es zu finden ist. Als ich an der Reihe war hatte ich bereits herausgefunden, dass hier die Mitarbeiter blinden Gästen auf Wunsch helfen. Sie geben einen Überblick über das Angebot und stellen alles zusammen. Nachdem man seine Wahl getroffen hat begleitet der Mitarbeiter einen samt Essen zum Tisch. Anschließend bekommt man noch das gewünschte Getränk. Da ich abgesehen vom Frühstück und einem Käsekuchen an diesem Tag noch nichts gegessen hatte genehmigte ich mir neben einer Vorsuppe noch ein Hauptgericht und einen Nachtisch. Alles war sehr lecker und die Mitarbeiter waren stets zur Stelle, sobald mein Teller oder Getränk leer waren.

Nach dem Essen ging es nochmals auf die Hundewiese, schließlich braucht auch Denny seine Bewegung. Völlig ausgekühlt brachte ich Denny wieder auf unser Zimmer, wo er endlich auch sein Abendessen bekam und sich etwas vom Spielen mit den anderen Hunden ausruhen konnte. Ich hingegen ging zum Aufwärmen in das Bierstüble, der hauseigenen Kneipe. Hier entdeckte ich ein sehr leckeres Dunkelbier aus der regionalen Klosterbrauerei Ettal und ein Regal mit Spielen speziell für Blinde und Sehbehinderte. So beendete ich den Tag spielend mit einigen neuen Bekanntschaften.

Montagmorgen: Frühstück & Auf ins Abenteuer

Super ausgeruht und voller Tatendrang fühlte ich mich am nächsten Morgen, als ich unser Zimmer für die alltägliche Morgenrunde mit Denny verließ. Die Sonne strahlte mir ins Gesicht, etwas Schnee liegt uns zu Füßen. Trotz der frühen Stunde traf Denny wieder auf einige Spielkameraden und so war er sehr hungrig als ich ihn zurück auf unser Zimmer brachte. Ich gab ihm sein Frühstück und verließ wieder das Zimmer um auch selbst etwas in den Magen zu bekommen - Ab ans Buffet. Und auch das ist: Spitze! An jeden Geschmack wird mit einer riesigen Auswahl von Frühstücksleckereien gedacht: Croissant neben Müsli, Schinken neben Marmelade. Zudem konnte ich mir auch leckeren Kaffee oder etliche Tees und andere Getränke direkt an den Tisch bringen lassen.

Nachdem ich einen Tag nur im Zug und im Hotel verbracht hatte, wurde es Zeit den eigentlichen Grund für meinen Urlaub in Angriff zu nehmen. Also pünktlich um 9 Uhr die Skisachen angezogen und in der am Vortag wären der Anmeldung erfahrenen Räumlichkeit eingefunden. Hier traf ich auf neun weitere Skibegeisterte, die ich teilweise am Vorabend schon im Bierstüble kennengelernt hatte. Es ist ein bunter Haufen, der sich hier im AURA-HOTEL zusammengefunden hat. Anfänger und Fortgeschrittene, Männer und Frauen im Alter von 23 bis 55 Jahren, aus Nürnberg, München, Chemnitz oder aus Hamburg. Für die einen ist es ihr erstes Mal auf Ski, die anderen sind schon seit etlichen Jahren dabei.

Direkt wurden wir von einer Mitarbeiterin verschiedenen sehenden Begleitläufern zugeteilt. Da direkt am Hotel leider noch zu wenig Schnee für eine ausgiebige Skitour lag mussten wir mit dem Hotelbus ein Stück fahren. Wir zielten den Naturpark "Ammergauer Alpen" an, um hier sportlich ambitioniert auf den Spuren des König-Ludwig eine kleine Runde zu drehen. Ein kurzer Zwischenstopp bei einem Skiverleih ermöglichte allen sich mit der nötigen Ausrüstung, bestehend aus Skischuhen, Skistöcken und Skier auszustatten.

Blind Skilanglauf, wie ist das möglich?

Auf dem Weg zur Loipe sammelten die Begleitläufer ihre zuvor zugeteilten Skifahrer ein. Zu zweit gingen wir zu den Loipen, schnallten unsere Skier an und schon konnte es los gehen. Hierbei läuft der Begleitläufer vor mir her und versucht mich über Kommandos über die Strecke zu leiten. Wenn sich die Loipe nach links oder rechts bewegt sagt er mir die Kurven nach dem Ziffernblatt an – das heißt Rechtskurven auf 1,2,3, Linkskurven auf 11,10,9. Das war es aber noch nicht, außerdem berichtet er mir über den Geländeverlauf: also falls es den Berg hoch geht, ob eine kleine Welle kommt, ob sich die Schneebedingungen verändern, usw. Er versucht mir auf diesem Wege möglichst alle Infos zu geben, damit ich eine klare Vorstellung von der Umgebung habe, sodass immer sichergestellt ist, dass ich problemlos in der Loipe bleibe. An diesem Tag sind wir zum Schloss Linderhof und zurück gelaufen. Die komplette Strecke misst immerhin 18 km und war ein guter Anfang. Anschließend ging es mit dem Bus zurück zum Hotel.

Endlich Wellness!

Auf dem Rückweg zum Hotel dachte ich, dass es wieder Zeit wird mit Denny eine Runde spazieren zu gehen. Doch kaum betrete ich das Hotel um zu meinem Zimmer zu gehen, kommt mir Denny ganz stürmisch mit einer netten Mitarbeiterin entgegen. Sie war gerade noch einmal mit Denny eine Runde gegangen und hat ihn mit anderen Hunden spielen lassen. So sprach für mich nichts mehr dagegen direkt den Wellnessbereich des Hotels genauer unter die Lupe nehmen zu können. Dieser liegt im Erdgeschoss des Hauses, umfasst eine Sauna mit Ruhebereich und einen Pool, der sich sehen lassen kann. Ansonsten ist der Wellnessbereich recht klein und überschaubar. Obwohl der Bereich so klein ist, ist es unfassbar ruhig und überraschend leer. Es kommt während meines Urlaubs genau einmal vor, dass ich mir das Schwimmbad mit jemandem teilen muss. Vermutlich habe ich einen guten Rhythmus um nicht mit anderen Gästen zu kollidieren.

Dienstag Bis Samstag: Ski fahren & Servus

Die restlichen Tage bis Freitag verliefen in etwa so, wie auch der Montag: Der Schnee ist zum Glück die ganze Woche liegen geblieben. Das Essen ist und bleibt lecker und jeden Tag pünktlich um 9 hieß es ab in den Bus und auf die Ski und die Loipe. Jeden Tag wurden die Runden länger, bis ich am Mittwoch und Donnerstag je 25 km zurückgelegt hatte.

Nur am Freitag war es leider regnerisch und so blieb mir zum Abschluss die Möglichkeit einen Tag im Hotel einzulegen. Was mir aber gut gepasst hatte, denn nur so kam ich endlich dazu die restlichen Angebote des AURA-HOTEL, wie die Hundedusche, die Kegelbahn und die Showdownplatte zu testen. Für die letzten beiden Aktivitäten habe ich mich mit einigen der ebenfalls im Hotel gebliebenen Skifahrern getroffen und wir hatten so trotz Regenwetter auch einen sehr schönen Tag. Am Samstag hieß es dann leider bereits nach dem Frühstück meine Sachen zu packen, das Taxi zum Bahnhof zu nehmen und zurück nach München zu reisen.

So bleibt mir abschließend nur zu sagen "Servus AURA-HOTEL, du warst ganz wunderbar!"

Ich fand meinen ersten Urlaub allein mit Blindenführhund sehr schön und erholsam, sowohl für ihn als auch für mich. Wir sind das nächste Mal ganz sicher wieder dabei!

 

Kommentare  

Gabriele Bender
#4 Gabriele Bender 2020-04-14 14:26
Hi Stefan, super Beitrag. War das einzige Mal in der grundschule in einer Loipe Ski laufen. hat mir damals gut gefallen, aber einen richtigen Skiurlaub habe ich noch nicht gemacht. Wie meine Vorgängerin schon schrieb, konnte ich mich gut hineinversetzen in das, was du geschrieben hast. Viele Grüße Gabi
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Arvis
#3 Arvis 2020-04-08 09:25
Hallo Stephan!

Ich habe dein Berich mit Freude gelesen! Du hast hier bei uns im Naturpark Ammergauer Alpen genau die Woche erwischt, wo das Skilanglaufen noch möglich war. Wir hatten dieses Jahr leider zu wenige Langlauftage.
Hoffe dich auch im Sommer bei uns begrüßen zu dürfen!
Bei Fragen oder Anmerkungen zu Loipen, Wanderwegen im Naturpark, kannst du dich gerne an mich per E-Mail wenden!

Grüße
Arvis
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Stephan
#2 Stephan 2020-04-05 13:33
Hallo Tobi,
es freut mich sehr dass dir mein Erlebnisbericht so gut gefallen hat.
Auch würde ich mich selbstverständlich freuen dich kommendes Jahr ebenfalls im AURA-Hotel zu treffen.
Deinen Vorschlag Denny in der Überschrift zu erwähnen finde ich gut und habe ich sogleich umgesetzt.
Vielen Dank für diesen Tip!
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Tobi
#1 Tobi 2020-04-03 13:53
Vielen Dank für diesen sehr persönlichen Artikel.
Obwohl ich noch nie Ski gelaufen bin, habe ich dank dir nun eine Vorstellung wie das funktioniert.
Vielleicht schaffe ich es kommendes Jahr ebenfalls einen der begehrten Plätze zu ergaunern.
Ach kleine Anmerkung, wenn du die Überschrift in „Skiurlaub mit Blindenführhund“ abänderst würden sicher deutlich mehr Führhundhalter deinen Artikel lesen.
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