Bereits kurz nach dem ich Erblindet bin hatte ich kurzzeitig mit dem Gedanken gespielt mir einen Blindenführhund zuzulegen. Da ich jedoch erst einmal mit der neuen Situation klarkommen musste und anschließend eine Berufliche Neuorientierung im BFW Würzburg an stand habe ich den Gedanken wieder verworfen. 5 Jahre später hatte ich mich dann an mein neues Leben gewöhnt, war mit Blindenlangstock selbstständig mobil und meine Umschulung zum Informatikkaufmann erfolgreich abgeschlossen. Nun war für mich klar es wird Zeit mir einen Blindenführhund zuzulegen.

Warum die Entscheidung für einen Blindenführhund?

Wärend meiner Umschulung zum Informatikkaufmann musste ich ein Praktikum in der Informatikabteilung eines Unternehmens machen. Meinen täglichen Arbeitsweg hatte ich Problemlos mit Blindenlangstock absolvieren können. Zumindest bis der Winter ins Land zog und der Schnee täglich meine Wege und die notwendigen Orientierungspunkte unfindbar machte. So dauerte es auch nicht lange bis ich für einen Weg für den ich sonst 5 Minuten gebraucht hatte, nach einer halben Stunde nur mein Ziel gefunden habe da mir jemand anders geholfen hat und vor dem Ende des Winters wurde es auch nicht besser. Nach diesem Erlebnis stand für mich fest dass es so nicht weiter gehen kann und überlegte hin und her wie ich das Problem beseitigen könnte. Die einzige sinnvolle Möglichkeit die ich finden konnte war ein Blindenführhund. Da dieser nicht nur in den Wintermonaten Wege gehen kann auf denen ich mit Blindenlangstock keine Orientierungspunkte finde. Womit dieser deutlich meine eigene Mobilität und selbstständigkeit erhöht. Auch ist es mit diesem möglich schneller als mit Blindenlangstock sicher von A nach B zu gelangen, was den positiven nebenevekt hat deutlich weitere Strecken als mit Blindenlangstock bereit zu sein zu laufen. Sicher deshalb da dieser nicht nur zum gewünschten Ziel führt, sondern auch auf gefährliche Hindernisse wie Höhenhindernisse, auf dem Weg stehende Fahrzeuge, Baustellen usw. achtet und diese falls notwendig umläuft. Ach und sofern ich mir unterwegs überlege doch nicht den ganzen Weg zu laufen, sondern lieber den Bus, Zug usw. zu nehmen Sucht er mir die Haltestelle und die auf dem Weg eventuell vorhandenen Treppen, Ampeln Fahrstühle usw

woran musste ich alles denken?

Da es sich bei einem Blindenführhund zwar um ein Hilfsmittel handelt, aber auch ein Lebewesen ist, Informierte ich mich ausgiebig ob es wirklich keine andere Alternative gibt. Nach langer Erfolgloser Suche stand fest, dass es keine Sinnvolle Alternative gibt. Deshalb besprach ich mein Vorhaben mit meiner Familie, schließlich müssen auch sie damit einverstanden sein. Nachdem ich die zuvor bereits erwehnten Vorteile eines solchen Hundes erleuterte waren sie einverstanden. Auch sicherten Sie mir zu mich bei meinnem Vorhaben zu unterstützen und falls ich einmal krank bin sich um den Hund zu kümmern. So ging ich das Abenteuer Blindenführhund an.

Wie bin ich Vorgegangen

Über den DBSV Erfurt nahm ich Kontakt zum Arbeitskreis der Blindenführhundhalter des DBSV auf und informierte mich wie ich vorgehen muss um schnellstmöglich von den Vorteilen eines sollchen Hundes profitieren zu können. Auch erfuhr ich wo es in der Gegend gute Führhundeschulen gibt und traf einige im Arbeitskreis der Blindenführhundhalter engagierten Führhundhalter*innen. Das Treffen mit erfahrenen Führhundhalter*innen, war wichtig um mir vor ab einen Überblick über die unterschiedlichen Schulen und die Zusammenarbeit zu verschaffen.

Die Kontaktaufnahme

Nachdem ich mir alle diese Informationen eingeholt habe nahm ich Kontakt zu den fünf Führhundeschulen in meiner Gegend auf. Wären des telefonischen Kontaktes vereinbarte ich mit jeder Schule ein persönliches Kennenlernen. Dieses Vorgehen wurde mir von den erfahrenen Führhundhalter*innen geraten, da es nur so möglich ist mir von jeder Schule ein eigenes Bild zu machen und mir von Ihnen alle meine Fragen beantworten zu lassen. Schließlich ist es sehr wichtig, dass ich mich mit dem Trainer*innen gut verstehe und Sie problemlos jeder Zeit treffen kann. Denn die ausgewählte Führhundschule und somit die Trainer*innen sind selbst nach erfolgreicher Einarbeitung bei Problemen mein erster Ansprechpartner. So habe ich mir 13 Fragen überlegt, die ich jeder Schule bei dem Treffen stellen wollte:

  • Wartezeiten auf einen Hund
  • Herkunft der Hunde und deren zweifelsfreien Nachweis
  • Arbeit mit Patenfamilien
  • kann ich den Hund in der Ausbildung begleiten
  • Trainingsmöglichkeiten
  • Bedingungen der Einarbeitung dauer und kann diese komplett bei mir stattfinden
  • Ausbildungsmethoden (welche Hilfsmittel werden verwendet)
  • Ausbildungsdauer
  • Qualitätsnachweis durch Blindgänge
  • Inhalte der Einarbeitung (wird auch Theorie vermittelt)
  • Nachbetreuung, Erreichbarkeit
  • Hilfe bei der Antragstellung
  • kann ein Probelauf erfolgen
Weiterhin habe ich mir überlegt welche Fragen die Schulen bzw. die Trainer*innen an mich stellen sollten um herauszufinden ob ich mir die Entscheidung für einen Blindenführhund gut überlegt habe.
  • Ist mein familiäres Umfeld mit der Haltung eines Hundes einverstanden bzw. kann dies tolerieren?
  • Wer kümmert sich um meinen Hund, wenn ich krank bin?
  • Ist der Arbeitgeber mit der Haltung eines Führhundes einverstanden?
  • Ist mein Wohnumfeld für die Haltung eines Hundes geeignet und habe ich entsprechende Auslaufmöglichkeiten?
  • Habe ich eine ausreichende Orientierung und Mobilität für die Arbeit mit einem Führhund?
  • werden meine Fähigkeiten und Bedürfnisse hinterfragt

Das erste Treffen

Im April war es dann soweit und ich traf mich jeweils an einem anderen Tag mit den Trainer*innen aller fünf Blindenführhundeschulen, zu einem sehr Informativen und auch angenehmen Gespräch. Bei diesen Treffen hatte mich immer ein Mitglied meiner Familie begleitet, da ich keine Frage vergessen wollte und eine zweite Meinung zu haben ist immer gut. Selbstverständlich blieb es nicht bei den Kennenlerngesprächen, so durfte ich auch, bei allen Schulen ohne nachzufragen, eine kleine Runde mit einem noch in der Ausbildung steckenden Blindenführhund drehen. Auch dieser Punkt war allen erfahrenen Führhundhaltern sehr wichtig, schließlich kann ich nur so feststellen wie die Trainer wirklich trainieren und mir ein eigenes Bild machen. Anschließend besprachen wir noch kurz unseren jeweiligen Eindruck und die Trainer*innen teilten uns ihre Meinung mit was für ein Blindenführhund am besten zu mir passen würde. Alle fünf Schulen waren der Meinung, dass ein großer Labrador am besten zu mir passen würde, wobei Sie sich nur im Geschlecht und Farbe uneinig waren.

Die Wahl und das weitere Vorgehen

Nach dem wir uns mit allen fünf Schulen getroffen hatten Viehl die Entscheidung schwer. Denn ich hatte mich mit allen Trainern*innen gut verstanden und alle bilden ihre Hunde vergleichbar aus. Wenn ich alleine zu den Treffen gegangen wäre, hätte ich jetzt in einer Zwickmühle gesteckt, doch so konnten meine Familie und ich unsere Eindrücke sammeln und schlussendlich eine Wahl treffen. Gemeinsam entschieden wir uns für die führhundschule Katharina Richter. Am kommenden Tag informierte ich alle Führhundschulen über unsere Entscheidung und ließ mir von meiner Augenärztin ein Rezept für einen Blindenführhund ausstellen. Dieses Rezept übergab ich Kathi bei einem weiteren Treffen in Erfurt, damit Sie alle notwendigen Anträge für meine Krankenkasse erstellen und einreichen kann.

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