Heute ist nicht irgendein Tag! Nein, Alma wird heute 7 Jahre alt. Sie ist für mich so viel mehr als „nur ein Hund“ sie ist meine sehende Partnerin im Alltag, meine Verbündete auf vier Pfoten und mein zweiter Blindenführhund. Mit ihr habe ich noch einmal ganz neue Erfahrungen gemacht, andere als mit meinem ersten Führhund Denny und genau das macht dieses Abenteuer so besonders. Mit diesem Beitrag möchte ich Dir zeigen, wie Medical Training Tierarztbesuche und Pflegemaßnahmen für Alma vertrauensvoller gemacht hat und auch für alle anderen Hunde ratsam ist.

Wie jeder von uns hat auch Alma im Laufe der Zeit kleinere Wehwehchen. Deshalb fiel mir im vergangenen Herbst sofort auf, dass etwas nicht stimmte: Sie schüttelte häufiger ihren Kopf, kratzte sich vermehrt an den Ohren und drückte diese auffällig an meine Beine. Ein Besuch bei der Tierärztin brachte die Diagnose: Ohrenentzündung. Die Behandlung bedeutete mehrmals täglich Ohrentropfen – für Alma ein echter Albtraum. Alles, was mit „etwas ins Ohr bekommen“ zu tun hat, löst bei ihr große Abwehr aus. Mir war sofort klar: Die Tropfen einfach zu verabreichen – koste es, was es wolle – kam für mich nicht infrage. Ich wollte das Vertrauen zwischen uns nicht beschädigen, gerade weil ich tagtäglich darauf angewiesen bin, ihr vertrauen zu können. Ich brauchte also einen anderen Weg. Einen, der Alma Sicherheit gibt und unser Vertrauen erhält.

Mein Weg zum Medical Training

Nach kurzem überlegen kam ich darauf, dass Stephanie Grath beim Führhundhalterseminar des BBSB 2023 vom Medical Training berichtet hatte. In diesem Seminar referierte und übte die Verhaltensspezialistin und Tierärztin, eigentlich mit den Teilnehmern daran Verhaltensprobleme ihrer Führhunde zu beseitigen. Nebenbei erwähnte Sie, wie hilfreich es ist mit Medical Training, Hunde Schritt für Schritt auf Pflegemaßnahmen vorzubereiten. Ich fand die Methode spannend, aber auch ziemlich anspruchsvoll und wollte es irgendwann einmal mit Alma angehen. Wie es mit diesem „irgendwann“ oft so ist, geriet der Gedanke wieder in Vergessenheit. Mit der Diagnose war die Situation plötzlich eine andere. Wenn nicht jetzt, wann dann? Um hier keinen Fehler zu machen, nahm ich Kontakt zu Anky Juhasz, einer Tierärztin und Tiertrainerin aus München, auf, die viel mit Medical Training arbeitet. Zum Glück konnte sie mir kurzfristig eine Einführung geben und half mir, eine für mich und Alma passende Trainingsvariante zu entwickeln. Diese Unterstützung war für uns enorm wertvoll.

Was ist Medical Training?

Vereinfacht gesagt ist Medical Training wie eine Bauanleitung in vielen kleinen Schritten – nur dass am Ende kein Möbelstück aufgebaut wird, sondern eine Behandlung möglich ist, während der Hund entspannt bleibt. Der Hund lernt, dass Dinge wie Tierarztbesuche oder Pflegemaßnahmen nichts Bedrohliches sind. Jeder einzelne Schritt ist klein und wird begleitet von Lob, Leckerchen oder Spiel. Vor allem aber ist das Training immer positiv, sanft und konsistent. Das Besondere daran: Der Hund ist kein passiver Empfänger, sondern ein aktiver Mitgestalter. So kann aus einer unangenehmen Behandlung eine positive Erfahrung werden und das Vertrauen wird gleichzeitig gestärkt. Oder, wie ich es mir aus Almas Perspektive vorstelle: „Okay, mein Herrchen macht da gerade etwas und am Ende passiert etwas Schönes.“

Meine wichtigsten Regeln fürs Training

  • Ganz klein anfangen – zum Beispiel zunächst nur den Tropfer zeigen
  • Sofort belohnen – ruhiges Verhalten wird direkt mit einem Leckerli bestätigt
  • Geduldig bleiben – lieber viele Mini-Schritte als zu viel auf einmal
  • Ein klares Signal nutzen – ein Wort oder eine Geste, dass jetzt Medical Training ansteht
  • Grenzen respektieren – wenn Alma „Stopp“ signalisiert, machen wir sofort Pause

Gerade als Führhund ist es mir wichtig, dass Alma jederzeit weiß: Sie wird gehört und kann mir Vertrauen.

Unsere Training-Ansätze in kurzen Schritten

  1. Das Fläschchen zum Schnuppern anbieten – ohne weitere Aktion. Belohnung: natürlich!
  2. Das Ohr ganz sanft und nur kurz anfassen. Ruhig bleiben? Leckerli.
  3. Den Tropfer in die Nähe halten – ohne Berührung. Gelassenheit? Belohnung.
  4. Den Tropfer leicht ans Ohr führen und nur antippen. Ruhe? Belohnung.
  5. Erst danach die Tropfen geben – aber nur, wenn Alma entspannt bleibt. Jackpot!

Diese Mini-Schritte und die viele positive Verstärkung haben uns beiden enorm geholfen. Je ruhiger Alma wurde, desto gelassener konnte auch ich bleiben.

Tipps für den Alltag deiner Hunde

  • Starte früh – am besten, bevor eine Behandlung nötig wird
  • Übe kurz und regelmäßig – lieber mehrmals täglich als eine lange Einheit
  • Wähle den richtigen Ort – nicht im Hundebett (Ruheort), aber auch nicht an einem völlig fremden Platz. Ich nutze dafür unseren Flur.
  • Setze auf Leckerli-Power – Lieblingssnacks oder eine Leckmatte wirken bei verfressenen Hunden wie Alma wahre Wunder
  • Bleibe selbst ruhig – dein Hund spürt deine Stimmung

Schon wenige Minuten Training am Tag können langfristig viel verändern.

Fazit und Ausblick

Im Laufe der Behandlung wurde Alma beim Ohrentropfen deutlich entspannter. Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, sie würde aktiv mitarbeiten: „Okay, jetzt passiert etwas. Ich drehe mal meinen Kopf so, dass mein Herrchen besser an mein Ohr kommt.“ Für mich ist das ein unglaubliches Gefühl. Es zeigt mir, dass ich sie ernst nehme, sie nicht überfordere und gleichzeitig unser Vertrauen weiter stärke. Eine Grundlage, die im Alltag mit einem Blindenführhund unverzichtbar ist. Und das Beste: Was wir bei der Ohrbehandlung gelernt haben, lässt sich auf viele andere Situationen übertragen. Sei es bei den Augen, beim Krallenschneiden oder beim Zähneputzen.

Einladung zum Mitmachen

Wie ist es bei dir? Hast du bereits Erfahrungen mit Medical Training gesammelt oder möchtest du damit anfangen? Schreib mir gerne, was bei dir gut klappt oder wo es noch schwierig ist. Ich freue mich auf den Austausch.

Kommentare  
Zuerstmal ALLES GUTE nachträglich! Meine Elfie hatte nur 3 Tage später Geburtstag! Und ja, ich weiß wie anstrengend es sein kann, die Empfehlungen des Tierarztes umzusetzen! Gut, dass Alma durch viel Ruhe, Geduld und das Medical Training gelernt hat, die Tropfen zuzulassen! Wir wollen doch, dass sie schnell wieder gesund wird!

PS: Ich habe mir deine Tipps im Kopf notiert, sollte ich sie mal (wieder) benötigen!

Liebe Grüße
Jana
Hallo Jana,
wie schön, danke dir!
Und nachträglich natürlich auch alles Liebe an Elfie – wie schön, dass die beiden fast gleichzeitig Geburtstag haben!
Oh ja, manchmal ist die Umsetzung der Tierarzt-Empfehlungen fast die größere Herausforderung als die Diagnose selbst.
Umso dankbarer bin ich, dass Alma
durch das Medical Training gelernt hat, die Ohrentropfen anzunehmen – auch wenn es trotzdem Geduld kostet.
Aber wie du sagst: Hauptsache, sie wird schnell wieder gesund.
Es freut mich sehr, wenn meine Tipps dir im Hinterkopf bleiben und ich drücke natürlich die Daumen, dass du sie gar nicht brauchst.

LG
Stephan
Lieber Stephan, liebe Alma,

den Begriff Medical Therapie hatte ich noch nie gehört. Vielmehr geisterte Medical Wellness (für Zweibeiner) im ersten Moment durch meinen Kopf.

Dabei ist es so relevant und nicht nur bei einem Blindenhund, sondern ganz allgemein zwischen Hund und Mensch. Vertrauensbildende Maßnahmen sind so wichtig, bei Euch beiden natürlich existenziell.
Danke fürs mitnehmen in euern Alltag und Happy Birthday, Alme.

Liebe Grüße, Katja
Hallo Katja,
wie schön geschrieben danke dir sehr dafür!
„Medical Wellness“ musste mich gerade schmunzeln lassen – das klingt definitiv angenehmer als Ohrentropfen.
Tatsächlich begegnet einem der Begriff Medical
Training noch gar nicht so oft, dabei ist er – wie du so treffend sagst – für jedes Mensch-Hund-Team wertvoll.
Bei uns ist es durch Almas Aufgabe als Blindenführhündin natürlich nochmal existenzieller, weil Vertrauen in jeder Situation die Basis ist.
Aber im Grunde
beginnt es ja schon bei ganz alltäglichen Dingen wie Pfoten abtrocknen, Ohren anschauen oder eben Medikamente geben.
Danke dir fürs Mitgehen durch unseren Alltag und für die lieben Geburtstagswünsche für Alma.

LG
Stephan
Lieber Stephan,

was für ein berührender Einblick in euren gemeinsamen Alltag. Ich finde es unglaublich schön, wie respektvoll und geduldig du mit Alma umgehst und wie klar spürbar ist, dass Vertrauen für euch beide die Basis von allem ist.
Wir haben damals mit unserem Beagle auch Medical Training gemacht und bei Leckerlis war die Bereitschaft zum Mitmachen ähnlich hoch.

Wie du die Mini-Schritte schilderst und Almas Reaktionen dabei wahrnimmst, zeigt so viel Achtsamkeit. Besonders der Moment, in dem sie ihren Kopf bewusst so dreht, dass du besser an ihr Ohr kommst, hat mich richtig berührt. Es ist schön zu lesen, wie sehr ihr als Team zusammenwachst und wie du ihre Signale ernst nimmst.

Liebe Grüße
Mo
Hallo Mo,
danke dir von Herzen für deine schönen Worte!
Es bedeutet mir viel, dass bei dir der Respekt, die Geduld und vor allem dieses gegenseitige Vertrauen ankommt.
Denn genau das ist es, was ich mir für unseren Alltag wünsche – dass Alma sich gesehen und ernst genommen fühlt.
Wie schön, dass ihr mit eurem Beagle ebenfalls Medical Training gemacht habt!
Und ja … Leckerlis sind manchmal ein erstaunlich überzeugendes Argument.
Aber am Ende geht es ja – wie du sicher selbst erlebt hast – um viel mehr als Futter: um Mitmachen dürfen statt Aushalten müssen.
Dieser kleine Moment als Sie das erste mal ihren Kopf gedreht hatte war für mich auch etwas ganz Besonderes.
Es war, als würde sie sagen: „Okay, wir schaffen das zusammen.“
Solche Augenblicke machen all die Geduld mehr als wert.
Danke dir für dein aufmerksames Mitlesen und Mitfühlen.
LG
Stephan
Herzlichen Glückwunsch nachträglich, liebe Alma! Ich denke, dass es echt wichtig ist alle Hunden/Haustiere an die Gabe von Arzneimitteln zu gewöhnen, bevor sie wirklich benötigt werden. In deinem Fall hilft so ein Training sicherlich noch mehr, die Verabreichung zu vereinfachen. Hoffentlich bleiben Alma die Ohrenschmerzen künftig trotzdem erspart.
Hallo Bea,
ganz lieben Dank für deine Glückwünsche – ich richte sie natürlich an Alma weiter.
Du sprichst einen ganz wichtigen Punkt an: Idealerweise beginnt Medical Training lange bevor es wirklich gebraucht wird.
In der akuten Situation damit anzufangen, ist deutlich schwieriger – für Mensch und Hund.
Umso dankbarer bin ich, dass es Alma trotzdem so gut mitgemacht hat.
Und ja, gerade als Blindenführhündin ist es natürlich besonders hilfreich, wenn Behandlungen möglichst stressfrei ablaufen.
Am Ende geht es ja
immer darum, Vertrauen zu stärken statt es in schwierigen Momenten zu belasten.
Ich hoffe auch sehr, dass ihr die Ohrenschmerzen etc. künftig erspart bleiben.
LG
Stephan
Lieber Stephan,

was für ein unglaublich schöner Beitrag! Es berührt mich sehr, wie wichtig dir die Beziehung zu Alma ist und dass du sie so respektierst. Da geht mir wirklich das Herz auf, denn die Liebe zu ihr ist in jedem einzelnen Absatz spürbar.

Ich wünsche Alma alles Gute zum 7. Geburtstag und freue mich schon von den vielen wundervollen Abenteuern zu lesen, die ihr beide gemeinsam erleben werdet.

Liebe Grüße, Lisa
Hallo Lisa,
danke für deine lieben Worte!
Es bedeutet mir unglaublich viel, dass meine Beziehung zu Alma zwischen den Zeilen spürbar wird.
Genau das ist es, was ich mit meinen Beiträgen zeigen
möchte: dass es nicht nur um „Funktionieren“ geht, sondern um Verbindung, Respekt und echtes Miteinander.
Alma wird deine Geburtstagswünsche ganz bestimmt mit einem Extra-Leckerli feiern.
Und ja – ich freue mich auch auf all die kommenden Abenteuer mit ihr.
Jeder gemeinsame Tag ist ein Abenteuer und ich bin sehr dankbar, dass ich euch hier
daran teilhaben lassen darf.
LG
Stephan
Herzlichen Dank Stephan! Ein wunderschöner Bericht und sehr wertvoll 👍
Alma herzlichen Glückwunsch zum 7. Geburtstag 🎂 Wie schnell doch die Zeit vergeht 🥂 Alles Liebe und Gute Euch BEIDEN 🫶
Liebe Elke,
wie schön, von Dir zu lesen – danke für Deine lieben Worte!
Alma hatte ihren Ehrentag sehr genossen.
Sie ist nicht nur meine treue Blindenführhündin, sondern ein echtes Geschenk im Alltag.

LG
Stephan und Alma
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