Während der Ausbildung wurden meinem Blindenführhund und mir so einige Befehle beigebracht, welche ich euch heute vorstellen möchte.

 

Alltagshörlaute

Sitz Der Hund setzt sich
Platz/ablegen Der Hund legt sich hin.
Platz bleib Der Hund liegt. Der Halter kann sich entfernen.
Steh Der Hund bleibt an der linken Seite des Halters stehen oder unterbricht beim Führen seinen Lauf
Hier Der Hund unterbricht seinen Freilauf und kommt zum Halter heran.
Fuß Der Hund begibt sich aus dem Freilauf selbstständig an die linke Seite des Halters. Er setzt sich hin oder läuft ruhig an der linken Seite des Halters.
Lösen Der Hund erledigt seine Notdurft an der Leine oder im Freilauf.
Brav / Fein Belobigung
Pfui Verbot, z.B. bei Nichtbefolgen eines anderen Hörlautes.
Nein abgeschwächte Form von „Pfui“

Arbeitshörlaute

Voran Der Hund läuft in gerader Richtung los oder weiter.
Rechts Richtungswechsel sobald wie möglich nach rechts um ca.90 Grad.
Links Richtungswechsel sobald wie möglich nach links um ca.90 Grad.
In der ersten Zeit kann man diese beiden Hörlaute noch mit dem vorangesetzten "Voran" unterstützen und diesen nach der Zusammengewöhnung weglassen.
Kehrt Richtungswechsel um ca. 180 Grad, der Hund soll immer nach rechts wenden!
Langsam Der Hund verringert deutlich sein normales Lauftempo.
Hopp Hopp Der Hund beschleunigt deutlich sein normales Lauftempo.
Rüber für sicheres Überqueren von Straßen jeglicher Art in gerader Richtung
Linksseits/Rechtsseits wird verwandt beim Lauf bzw. Führen auf Straßen ohne Bürgersteig, der Hund soll so weit wie möglich am lin-ken/rechten Rand der Fahrbahn führen.
Folgen wird eingesetzt in Kaufhäusern u.ä. der Hund folgt der Ansprechperson bis zum Zielpunkt.
Such Weg wird z.B. angewandt in stark belebten Zonen, beim Umlaufen von Hindernissen, die den Gehweg versperren oder in Wald und Flurstücken. Der Hund muss sich selbstständig für den sicheren Weg entscheiden bzw. den richtigen Weg finden. Der Führhundhalter muss dabei dem Hund vertrauen und ihm bei diesem Hörlaut " freie Hand" lassen.
Such Zebra Der Hund zeigt selbstständig den Zebrastreifen an. Ein Zebrastreifen muss allerdings in der Nähe sein, sonst hat der Hörlaut keine Bedeutung für den Hund!
Such Ampel Der Hund zeigt die Ampel an. Befinden sich an der Stelle mehrere Ampeln in rechter oder linker Richtung, so sollte man an den Hörlaut noch "Rechts" oder "Links" anfügen!
Such Box Der Hund zeigt selbstständig den Briefkasten an. Im Falle des unterschiedlichen Standortes der Briefkästen sollte man ähnlich verfahren wie bei dem Hörlaut „Such Ampel". Für die Praxis ist es ratsam, am Heimatort des Führhundhalters den Hund maximal zwei Briefkästen anzutrainieren.
Such Lift Der Hund zeigt den jeweiligen Lift in Wohnkomplexen, Hotels, Bürogebäuden, U-Bahneinrichtungen, Kauf-häusern u. ä. Der Führhundhalter muss den ungefähren Standort des Fahrstuhls kennen, so dass er seinen Hund mit Richtungshinweisen unterstützen kann.
Such Eingang/Ausgang Der Hund zeigt selbstständig den Eingang /Ausgang an. Der Führhundhalter darf die richtungshinweisenden Hörlaute nicht vergessen!
Such Treppe Der Hund zeigt selbstständig die Treppen aufwärts (bleibt mit den Vorderpfoten auf der ersten Stufe stehen) und ab-wärts (vor der ersten Stufe stehen bleibend) an.
Such Bank selbstständiges Anzeigen von freien Sitzgelegenheiten in Restaurants, Verkehrsmitteln, Parks und ähnlichem.
Such Schalter selbstständiges Hinführen zum Kassenbereich in Supermärkten oder zu Einkaufs und Bedienungsschaltern in Banken, Bahnhofshallen u. ä. (wenn nötig, richtungshinweisende Hörlaute einsetzen)
Such Bus der Hund zeigt die Bushaltestelle an
An Bord Der Hund geht zur besseren Orientierung des Führhundhalters zur Bordsteinkante. Wird z.B. angewandt nach dem Auffinden einer Ampel, Umlaufen von Hindernissen und wieder finden des Gehweges..
Weiter beim Treppe abwärtsgehen

Einige allgemeine Hinweise

Achte immer darauf, dass die Hörlaute, die Du dem Hund gibst, auch vollständig und korrekt von ihm ausgeführt werden. Wenn Du merkst, dass er einen Fehler gemacht hat, dann wiederhole die Übung, erst dann darfst Du den Hund loben!
Lasse dem Hund genügend Zeit, den Hörlaut zu verarbeiten und umzusetzen!
Der Hund muss für die Arbeit motiviert sein. Er hat mit Freude gelernt zu Führen, doch es kann aus unterschiedlichen Gründen dazu kommen, dass er einmal "nicht funktioniert". Reagiere dann mit Geduld, Verständnis und Konsequenz, denn Er ist keine Maschine, die „funktioniert“, sondern ein Lebewesen, das, genau wie jeder andere Hund, nach Instinkten lebt.
Arbeite regelmäßig, möglichst täglich, mit dem Hund im Führgeschirr, damit sein Leistungsstand erhalten bleibt und er sich in der Zusammenarbeit mit Dir noch vervollkommnet. Wird mit Ihm nicht regelmäßig gearbeitet, verlernt er wieder, was er einmal beherrschte!
Wenn Du über einen Sehrest verfügst, bemühe Dich diesen bei der Arbeit mit dem Hund nicht oder nur zur Kontrolle einzusetzen. Du musst lernen, dich Deinem Hund anzuvertrauen. Bewusste und unbewusste Führhilfen verunsichern den Hund oder verleiten ihn zu oberflächlicher Führarbeit. Sei Dir bewusst, dass Du mit einem Tier arbeitest, welches streng nach Instinkten lebt. Der Hund wird sich immer den geringsten Weg des Widerstandes suchen. Deshalb ist Konsequenz von besonderer Wichtigkeit. Konsequenz bedeutet Gleichbehandlung des Hundes in jeder Situation! Hunde leben anders als wir Menschen streng nach festgelegten Verhaltensmustern. Es ist sehr bedeutsam, dass Du mit einem gesunden Maß an Liebe und Konsequenz klarstellst, wer das Alpha-Tier in eurer Beziehung ist. Hunde leben im Rudel nach einer festen Hierarchie. Führe deshalb regelmäßig, am besten täglich, Gehorsamsübungen durch. Eine harmonische Beziehung zwischen Dir und Deinem Hund ist eine wichtige und unerlässliche Grundlage für eine gute Zusammenarbeit. Nimm Dir ausreichend Zeit für die tägliche Pflege des Hundes. Versuche die Hinweise des Trainers umzusetzen und lege Dir ein dickes Fell gegenüber allgemeinen "guten Ratschlägen" von selbsternannten Hundefachleuten zu!

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