In meinem Artikel Mobil trotz Blindheit das ist der Trick hatte ich in der Einleitung geschrieben, dass unsere Welt zum Großteil auf sehende Orientierung ausgerichtet ist. So hatte ich auch geschrieben dass es für eine gute Mobilität von Blinden wie mir notwendig ist eine gute Ortskenntnis und Orientierung zu besitzen. Das bedeutet natürlich nicht, dass es für Blinde generell unmöglich ist sich in einer fremden Gegend alleine zurecht zu finden. In diesem Artikel möchte ich auf ein paar kleine Orientierungshilfen eingehen, die uns das Leben deutlich erleichtern und es Blinden ermöglichen auch ohne Ortskenntnis das gewünschte Ziel zu erreichen:-)

Die Leitlinien oder auch Bodenindikatoren genannt

Einige sind sicher verwundert, warum in Bahnhöfen, an U-Bahn-, S-Bahn-, Straßenbahn- und Bushaltestellen Platten mit gerippter oder genoppter Oberfläche verlegt wurden, zur sonstigen Gestaltung passen sie meist nicht. Nein, diese Platten wurden nicht verlegt damit man sich die Schuhe vor dem Einsteigen in den Bus abtreten oder die Reisetasche abstellen kann :-) Diese Platten sind für Blinde und Sehbehinderte eine Orientierungshilfe und sie warnen vor Gefahrenstellen. Damit diese deutschlandweit einheitlich verlegt werden gibt es sogar eine DIN-Norm. Blinde und Sehbehinderte lernen während ihres Mobilitätstrainings wie die unterschiedlichen Platten zu lesen sind. So dienen die mit dem Blindenstock gut ertastbaren Rippen in Gehrichtung als Leitstreifen, quer verlegt als Stopp-Zeichen und Noppenplatten warnen beispielsweise vor Gefahrenstellen wie Treppen. Es wurde dabei aber nicht nur an Blinde mit Blindenstock gedacht, so wurde mit den Platten ein Hell-Dunkel Kontrast geschaffen, mit denen es auch für Sehbehinderte möglich ist sich an ihnen zu orientieren. Mittlerweile dürften deutschlandweit mehrere tausend Kilometer an diesen Bodenindikatoren verlegt wurden sein.

Signalampeln

Jeder von uns kennt sie, die Ampeln die mit einen kleinen Lautsprecher am Ampelmast dauerhaft Geräusche machen. Nein diese Töne sind nicht dafür da um Vögel zu verscheuchen oder die Anwohner zu ärgern. Über den Lautsprecher werden unterschiedliche Töne ausgegeben, durch die es Blinden und Sehbehinderten ermöglicht wird Ampeln zu finden und auch zu erkennen wann diese Grün sind. Etwa auf Greifhöhe des Ampelmasts findet sich ein kleiner Kasten, an dessen Unterseite ein kleiner Knopf angebracht ist. Mittels diesem lässt sich nicht nur das Grün anfordern. Nein, auf diesem Knopf wird durch einen Pfeil auch angegeben in welcher Richtung man bei Grün die Straße überqueren kann. Sobald die Ampel auf Grün umschaltet fängt der Knopf an zu vibrieren und der Lautsprecher wechselt von einem langsamen Klopfgeräusch zu einem deutlich schnelleren. Wenn man sich übrigens den kleinen Kasten noch etwas genauer anschaut lässt sich meist an der Oberseite durch eine weitere tastbare Markierung erkennen, ob die Straße einfach oder über eine kleine Mittelinsel wie sie bei zweispurigen Straßen sehr üblich sind überquert werden muss.

Ansagen

Jeder hat sie schon einmal gehört, die Ansagen in der Bahn, Straßenbahn, U-Bahn, S-Bahn und im Linienbus. Diese Ansagen sind nicht nur für lesefaule oder vom Handy abgelenkte Menschen gedacht. Nein, auch blinde Menschen können sich darüber über die nächste Haltestelle und weitere Anschlussmöglichkeiten informieren und auch die Information auf welcher Seite sich der Ausstieg befindet ist sehr wichtig. Dies ist meist die einzige Möglichkeit für Blinde zu erfahren, ob sie das gewünschte Ziel erreicht haben. Weiterhin sagen an immer mehr Bahnhöfen, Straßenbahn-, U-Bahn-, S-Bahn- und Linienbus-Haltestellen die Fahrzeuge mittlerweile an um welche Linie es sich handelt und welche Endstation angefahren wird. So wird es auch möglich selber zu erkennen ob es sich um die richtige Bahn usw. handelt oder ob man auf das nächste Fahrzeug warten muss. Ganz ähnlich sind in diesem Zusammenhang übrigens Fahrstühle, auch hier sind die Ansagen die einzige zuverlässige Hilfe um das richtige Ziel, wenn auch vertikal, zu erreichen.

Türschließ-Signale

Ähnlich wie bei Ampeln den Blinden über ein Tonsignal mitgeteilt wird, wann die Ampel grün ist, wird auch in Bahnen zusätzlich zu dem Türenschließen ein Tonsignal ausgegeben, so dass das Ein- und Aussteigen gefahrlos möglich wird. Wenngleich dies natürlich für alle nützlich ist, ist es für einen Blinden mit Blindenstock und/oder Blindenführhund meist nicht so einfach möglich "noch schnell" durch die Tür zu springen. Sehr wünschenswert wäre, wenn nicht nur beim Schließen der Türen ein Tonsignal ausgegeben würde, sondern auch ein unauffälliges Signal welches Blinde auf eine offene Tür hinweist, so dass diese schneller gefunden werden kann.

Taktile Beschriftungen

In einigen größeren Bahnhöfen Deutschlands kann man an den Handläufen von Treppen tastbare Markierungen finden. An Treppenanfängen verraten diese einem die Gleis-Nummern und auf welcher Seite sich welches Gleis befindet. Auch in vielen Fahrstühlen werden die Tasten zur Auswahl der Etagen entsprechend taktil beschriftet. Oft steht auch die Raumnummer taktil erfassbar an den Türen von öffentlichen Institutionen, in komplexen Gebäuden gibt es teilweise auch tastbare Übersichtspläne, die der Orientierung Blinder sehr helfen können. Weiterhin gibt es von einzelnen Gebäuden bis hin zu Stadtvierteln vielerorts Sehenswürdigkeiten als Modelle zum Anfassen. Die Erfurter Innenstadt gibt es zum Beispiel im Kleinformat zum Ertasten in der Innenstadt zu entdecken.

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