Schon häufig haben Leute mir gegenüber geäußert, wie bewundernswert sie es finden, dass ich trotz Blindheit sehr mobil bin. Anfangs konnte ich diese Aussage nicht wirklich zuordnen, doch als ich neulich genauer darüber nachdachte, fiel mir auf dass unsere Welt doch zum Großteil auf sehende Orientierung ausgerichtet ist. Ist einem dieser Umstand erst einmal bewusst, ist es wirklich bemerkenswert, dass Blinde sich so gut zurecht finden. Sicher, etwas Übung gehört auf jeden Fall dazu. Eine gute Ortskenntnis und Orientierung sind auf jeden Fall wichtig, in meinem Beitrag heute geht es aber um die Hilfsmittel der Blindenstock und der Blindenführhund - ohne sie geht gar nichts!

 

Der Blindenstock

Der Blindenstock ist das gängigste Hilfsmittel. Gesehen oder gar in der Hand gehalten hat ihn sicher jeder schon einmal. Hierbei handelt es sich um einen leichten Stock, der dem Blinden bis zum Brustbein reicht und den er etwa auf Hüfthöhe vor sich hin und her bewegt. Das hin- und herbewegen hat den Sinn, die Fläche vor sich abtasten zu können. So erkennt der Blinde, was sich vor ihm befindet. Im Normalfall ertastet er eine Fläche etwa in Schulterbreite und ca. zwei Schritte vor sich. Hierfür wird die Spitze gerollt oder getippt, was einer Pendelbewegung entspricht. Wird der Stock nach rechts bewegt geht der linke Fuß und umgedreht. So können Unebenheiten, Treppen usw. ertastet werden, auch können diese als Orientierungshilfe dienen.

Weiterhin entsteht durch den Kontakt des Stocks zum Fußboden ein Geräusch, welches ebenfalls zur Orientierung sehr hilfreich sein kann. So ist es dem aufmerksamen Blinden aufgrund des entstehenden Rückschalls möglich zu erkennen, wie weit eine Hauswand entfernt ist oder ob ein Haus endet und stattdessen eine freie Fläche, wie eine Straße oder ein Park, beginnt. So ein Blindenstock kann allerdings nicht immer helfen. So kann zum Beispiel ein Ast auf Hüfthöhe bemerkt werden, hängt dieser weiter oben läuft man völlig unvorbereitet hinein. Das kann je nach Objekt nicht nur peinlich werden sondern auch richtig weh tun :)

Häufig passiert es auch, dass Dinge wie Fahrräder am Fußwegrand abgestellt zum Opfer des Stockes werden. Böse Blicke ignoriere ich einfach (gekonnt ) aber wenn der Stock erst einmal am auf dem Fußweg abgestellten BMW entlang geklopft hat wird man auch mal böse beschimpft. Als wenn ein Blinder so etwas mit Absicht machen würde...

Der Blindenführhund

Die zweite große Hilfe für jeden Blinden ist der Blindenführhund. Er ist ein speziell ausgebildeter Hund, dem ich sogar eine ganze Kategorie widme. Er trägt um den Blinden führen zu können ein extra angefertigtes Geschirr mit Griff auf Handhöhe. Über dieses ist es dem Blinden möglich zu erkennen, wohin der Hund läuft und ob er die Befehle die ihm gegeben werden auch richtig ausführt. Der Hund versucht möglichst alle Hindernisse zu umgehen und befindet sich ca. einen Schritt vor dem Blinden. Falls einmal ein Hindernis im Weg ist, welches nicht umgangen werden kann, macht er durch stehenbleiben darauf aufmerksam. Auch kann er an gefährlichen Stellen einmal einen Befehl verweigern, z.B. wenn der Blinde eine Straße überqueren möchte und nicht hört das gerade ein Fahrrad oder Auto auf ihn zu rast. Dies wird auch als intelligenter Ungehorsam bezeichnet. Die Ausbildung zum Blindenhund ist nicht leicht und dauert einige Monate. Von meiner persönlichen Erfahrung dabei hatte ich bereits berichtet.

Das Laufen mit einem Blindenführhund ist häufig deutlich angenehmer als mit einem Blindenstock. So umläuft der Hund andere Passanten (denen man eventuell den Stock schmerzhaft gegen die Beine geschlagen hätte) oder tief hängende Äste. Auch in Baustellenbereichen hat der Hund deutliche Vorteile gegenüber einem Stock, so kann dieser herum liegendes Baumaterial und Unwegsamkeiten einfach umlaufen. Wege die man häufiger prägt sich der Hund schnell ein, sodass man nur noch sagen muss wohin man gehen möchte. Ja richtig, ein "Komm Denny, wir gehen zum Fitnessstudio" ist keine leere Floskel :)

Wie der Blindenstock hat natürlich auch der Blindenführhund seine Nachteile. Es muss einem klar sein, dass es sich hier um ein Lebewesen handelt, welches seine eigenen Bedürfnisse hat und das man sich zu jeder Zeit und bei jedem Wetter um ihn kümmern muss. Aber was tut man nicht alles, für den "Besten Freund des Menschen".

Kommentare  

Stephan
#2 Stephan 2016-03-31 16:55
Zitiere Ringo:
Allerdings kackt mir der Stock nicht in die Wohnung, ...

Hallo Ringo, damit hast du natürlich erst einmal nicht unrecht. :-)
Ich habe mir aufgrund ähnlicher Ängste auch lange Zeit keinen Blindenführhund zugelegt. Ein Hund ist nun mal kein Objekt das man in einer Ecke verstauen kann wann immer einem danach ist.
Ich kann dir allerdings versichern, dass meine Entscheidung letztendlich goldrichtig war. Ich habe in Denny nicht nur einen treuen Freund und Begleiter gefunden, auch meine Möglichkeiten haben sich durch ihn deutlich verbessert. Das tägliche Bewegen in der Großstadt München ist durch seine Hilfe zu einer unkomplizierten Kleinigkeit geworden.
Dafür bezahle ich gern auch mal ein paar Euro für das zusätzliche Hundefutter ;-)

Wenn du Lust hast ausführlicher über das Thema zu reden würde ich mich über eine Mail von dir freuen!
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Ringo
#1 Ringo 2016-03-08 22:55
Allerdings kackt mir der Stock nicht in die Wohnung, wenn ich ihn morgens nicht früh genug vor die Tür bringe, er frisst mir nicht die Haare vom Kopf oder bleibt vorm Würstchenstand stehen als wäre es ne Ampel und er kann einfach im Schrank oder am Nagel abgehängt werden und es entstehen auch keine Arztkosten:)
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