50 Kilometer zu Fuß rund um und durch Hannover marschieren, wer macht das bitte freiwillig? Am 2. Mai 2026 stellten meine Freundin, unsere Hunde und ich uns diesem Abenteuer, beim Megamarsch.
Wie gut die Organisation war, ob die Strecke hundetauglich war, welche Herausforderungen uns unterwegs erwartet haben und ob sich der Marsch trotz über zwölf Stunden Gehzeit gelohnt hat, erfahrt ihr in diesem Erfahrungsbericht.
Warum wir diesmal Megamarsch statt Mammutmarsch gewählt haben
Seit meinem Beitrag zur Teilnahme am Mammutmarsch haben wir noch an einigen weiteren mit unterschiedlichen Distanzen, über 30, 42 und 55 Kilometer teilgenommen. Nun wollten wir bewusst einmal einen anderen Veranstalter solcher Extremwanderevents ausprobieren.
Da wir schon viel positives von Megamarsch gehört hatten kontrollierten wir den Veranstaltungskalender und stellten fest das am Samstag den 02. Mai ein Marsch in Hannover angesetzt ist und noch Teilnehmerplätze frei waren. Da seit Anfang dieses Jahres Hannover einer meiner Wohnorte ist. Lag es nahe, den Megamarsch hier einmal selbst zu erleben.
Der Gedanke daran, morgens entspannt von zu Hause zum Startbereich zu laufen und abends wieder im eigenen Bett zu schlafen, war unglaublich angenehm. Kein Hotelstress, keine lange Rückfahrt und kein fremdes Umfeld – das hat enorm viel Druck aus dem Versuch genommen.
Megamarsch Hannover 2026 – die wichtigsten Fakten
- Distanz: 50 Kilometer
- Ort: Hannover / Laatzen
- Start und Ziel: Messeparkplatz Laatzen
- Zeitlimit: 12 Stunden
- Unsere Zielzeit: 12 Stunden und 12 Minuten
- Versorgungspunkte: 4
- Untergrund: Asphalt, Waldwege und Schotterwege
- Hunde erlaubt: Ja
- Navigation: GPX-Track verfügbar
- Wetter: morgens angenehm, später sonnig und heiß
- Schwierigkeit: mittel bis anspruchsvoll
Vorbereitung auf den Megamarsch
In den Wochen vor dem Marsch haben wir gezielt trainiert. So habe ich mein Krafttraining im Fitnessstudio deutlich intensiviert. Gerade als blinder Teilnehmer merke ich, dass der Muskelaufbau in den Bereichen Beine, Rücken und Rumpf für solche Distanzen wichtig ist. Wer über viele Stunden konzentriert laufen und gleichzeitig ständig auf unvorhersehbare Unebenheiten reagieren muss, belastet den gesamten Bewegungsapparat stärker als der typische Teilnehmer.
Vorbereitung der Hunde
Da nicht jeder Hund vom Stand heraus so eine Distanz laufen kann, haben wir außerdem bewusst die Hundespaziergänge ausgedehnt. Hierfür haben wir an der Iron Lake Challenge teilgenommen und so einige Seen umrundet, was mehrere längere Spaziergänge mit unseren Hunden bedeutet hat. So konnten wir ihre Kondition langsam aufbauen. Besonders wichtig war uns dabei, rechtzeitig zu erkennen wann die beiden Pausen benötigen und die Hunde an längere Belastungen auch bei wärmeren Temperaturen zu gewöhnen.
Unsere Ausrüstung für Wanderabenteuer mit Hund
Wir haben größtenteils auf bewährte Ausrüstung gesetzt. Besonders wichtig waren für mich meine gut eingelaufenen Whitin Laufschuhe, die sich bereits auf früheren Märschen bewährt hatten.
Zusätzlich dabei:
- Zwei Paar Ersatzsocken
- 1,5 Liter Wasserflasche mit Elektrolyten
- Riegel, Nüsse, Trockenfrüchte, Bananen und belegte Brote
- Blasenpflaster und Tape
- Sonnencreme und Lippenschutz
- Leichter Regenschutz
- Stirnlampe und Powerbank
- Blindenstock
- Unsere selbstgebaute Führschlaufe (dazu gleich mehr)
Für Alma und Momo hatten wir ebenfalls einiges dabei:
- Geschirre und Leinen
- Faltbare Näpfe
- Hundetrinkflasche
- Pfotenbalsam
- Zeckenzange
- Hundefutter
- Zusätzliche Snacks wie Apfel-, Möhren- und Bananenstücke
Unsere selbstgebaute Führschlaufe für lange Märsche
Vor dem Start befestigte meine Freundin wieder unsere selbst entwickelte Führschlaufe. Dieses System nutzen wir inzwischen seit Jahren bei Spaziergängen und längeren Wanderungen.
Die Idee stammt ursprünglich aus dem Blindenlaufsport. Dort halten blinde Läufer oft ein kurzes Band, von dem die Begleitperson das andere Ende führt.
Da wir bei gemeinsamen Wanderungen zusätzlich beide Hunde dabeihaben und keine Hand dauerhaft frei geblieben wäre, mussten wir eine andere Lösung finden. Deshalb formten wir ein elastisches Seil in Form einer Acht. Meine Freundin trägt einen Teil der Schlaufe am Oberarm, während ich den anderen Teil jederzeit greifen oder loslassen kann.
Das klingt nicht nur einfach und praktisch, sondern es funktioniert für uns erstaunlich gut. Besonders auf langen Strecken mit wechselndem Untergrund oder Treppen.
Nebenbei möchte ich noch erwähnen, dass Alma bei solchen Wanderungen wie immer meine treue Begleitung ist, aber nicht im Führgeschirr. Das wäre eine Zumutung, unter deren Annahme ich an solchen Events nicht teilnehmen würde.
Start beim Megamarsch - Stimmung und Atmosphäre
Schon im Start-Zielbereich am Messeparkplatz in Laatzen herrschte früh morgens eine motivierende Stimmung. Überall unterhielten sich Menschen aufgeregt, sortierten ihre Ausrüstung oder machten noch schnell Fotos vor dem Startbogen.
Mit einer emotionalen und motivierenden Ansprache wurden die Teilnehmer in mehreren Wellen auf die Strecke geschickt. Wir starteten bewusst langsam und ruhig. Unser Ziel war nicht Geschwindigkeit, sondern ein möglichst entspannter und kontrollierter Marsch.
Für mich als blinden Teilnehmer war die Strecke ein einziges Sinneserlebnis: Das Rascheln der Blätter in der Eilenriede, der Geruch von feuchtem Waldboden, das Plätschern an der Leine und die wechselnden Untergründe unter meinen Schuhen.
Besonders intensiv erinnere ich mich an die unterschiedlichen Geräusche entlang der Strecke. Mal hörte man nur das rhythmische Auftreten hunderter Schritte auf Schotterwegen, dann wieder motivierende Musik an den Verpflegungspunkten oder das laute Hecheln erschöpfter Teilnehmer in der Mittagshitze. Später lag sogar der warme Geruch von aufgeheiztem Asphalt und Sonnencreme in der Luft.
Wie meine Freundin mir die Strecke beschrieben hat
Besonders intensiv wurde der Marsch durch die häufigen Beschreibungen meiner Freundin. Während des gesamten Tages erzählte sie mir, was um uns herum passierte. Ein Satz ist mir besonders im Kopf geblieben:
Jetzt ist rechts von uns eine riesige Wiese. Alles leuchtet gelb vor Löwenzahn. Auf einer Bank sitzt ein alter Mann mit einem Dackel, der uns neugierig hinterherschaut.
Solche Beschreibungen haben die Landschaft regelrecht vor meinem inneren Auge entstehen lassen. Dadurch wurde der Megamarsch für mich nicht nur körperlich, sondern auch emotional zu einem sehr intensiven Erlebnis.
Zusätzlich kamen wir mit vielen Teilnehmern und Helfern ins Gespräch. Dank meiner Blinden-Anstecker am Rucksack und Schultergurt war sofort erkennbar, dass ich blind bin. Die Offenheit und Hilfsbereitschaft vieler Menschen hat die Veranstaltung unglaublich angenehm gemacht.
Organisation, Strecke und Versorgung beim Megamarsch
Die Organisation war insgesamt wirklich stark. Die Strecke war durchgehend sehr gut ausgeschildert. Mindestens alle fünf Kilometer stand ein Schild mit der zurückgelegten Distanz. Zusätzlich gab es immer wieder kleine Motivationssprüche auf Schildern oder mit Kreide auf dem Boden geschrieben.
Besonders motivierend fanden wir die letzten fünf Kilometer: Dort war jeder einzelne Kilometer markiert, auf dem letzten Abschnitt sogar alle 100 Meter. Gerade in den letzten Stunden fühlte sich jeder kleine Fortschritt unglaublich wichtig an.
Zusätzlich stellte der Veranstalter die komplette Route als GPX-Datei bereit. Dadurch konnten wir parallel über Komoot oder eine andere Navigationsapp navigieren – eine sehr beruhigende zusätzliche Absicherung.
Etwa alle 10 bis 12 Kilometer gab es einen Versorgungspunkt mit Wasser, Musik und guter Stimmung. Hierbei fanden wir die Verteilung der Versorgungspunkte besonders gut: Die längeren Abschnitte lagen eher in den kählteren Morgen- und Abendstunden, während die Versorgungspunkte zur warmen Mittagszeit dichter beieinanderlagen.
Mein persönliches Highlight war hier, dass auch an die Hunde gedacht wurde. An einer Station stand sogar ein großer Wassernapf bereit.
Mit steigenden Temperaturen wurde der Tag allerdings zunehmend anstrengender. Wir merkten schnell, dass unsere Hunde mehr Erholung brauchten als ursprünglich geplant. Deshalb machten wir nicht nur an den Versorgungspunkten Pausen, sondern legten auch häufiger Pausen im Schatten ein. Insgesamt kamen am Ende über drei Stunden Pausenzeit zusammen.
Für uns war aber klar: Die Gesundheit unserer Hunde geht immer vor! Wenn nötig, hätten wir den Marsch jederzeit abgebrochen.
Die schwierigsten Momente unterwegs
Natürlich war der Tag nicht nur schön.
Besonders zwischen Kilometer 32 und 40 wurde der Marsch mental und körperlich richtig anstrengend. Die Beine wurden schwer, die Konzentration ließ langsam nach und einige längere Asphaltabschnitte gingen deutlich auf Knie und Fußsohlen.
Zusätzlich merkte ich irgendwann, wie anstrengend die permanente Konzentration auf Umgebung, Geräusche und Untergründe über viele Stunden hinweg wird. Gerade auf volleren Streckenabschnitten kostete das enorm viel Energie. In manchen Momenten wurde es überraschend still. Viele Teilnehmer sprachen kaum noch, man hörte nur noch Schritte, schweres Atmen und das Klirren von Trinkflaschen. Genau dort begann für viele wahrscheinlich der eigentliche mentale Kampf.
Zum Glück halfen uns die Gespräche mit anderen Teilnehmern und natürlich unsere Hunde immer wieder aus kleinen Tiefs heraus.
Wie gut eignet sich ein Megamarsch für Hunde?
Diese Frage bekommen wir inzwischen sehr häufig und die ehrliche Antwort lautet: Es kommt extrem auf den Hund an. Mit Alma und Momo haben wir lange Spaziergänge und Wanderungen trainiert und sie sind es mittlerweile gewohnt. Trotzdem würden wir niemals bei jedem Wetter 50 Kilometer mit ihnen laufen.
Wichtig sind aus unserer Sicht:
- Langsamer Trainingsaufbau
- Regelmäßige Pausen
- Genug Wasser
- Massagen und Dehnübungen zwischendurch
- Nicht zu hohe Temperaturen
- Gute körperliche Verfassung des Hundes
Besonders Asphalt kann für Hunde gefährlich werden, deshalb haben wir regelmäßig den Temperaturtest gemacht. Hierfür einfach die flache Hand auf den Asphalt legen und wenn dieser zu warm ist den Hund nicht auf diesen laufen lassen. Doch dieser war nie über Körpertemperatur und so konnten die beiden problemlos laufen. Dennoch kann so eine lange Strecke auch für die beiden anstrengend werden. Deshalb haben wir regelmäßig die Pfoten kontrolliert und beide Hunde mehrfach massiert und gedehnt.
Alma, meine siebenjährige Labradorhündin, blieb über die gesamte Strecke ruhig und entspannt. Momo, unser fünfjähriger Labradoodle, war deutlich aufgeregter und motivierte uns unterwegs immer wieder. Beide kamen erstaunlich fit ins Ziel. Trotzdem würden wir jedem empfehlen, die eigenen Hunde sehr realistisch einzuschätzen und im Zweifel lieber ohne zu laufen oder alternativ früher abzubrechen.
Der emotionale Zieleinlauf
Kurz vor dem Ziel nach 50 Kilometern wurde uns bewusst, dass wir die offizielle 12-Stunden-Grenze knapp verpassen würden.
Wegen der ungewohnt hohen Temperaturen nahm der Veranstalter das Zeitlimit an diesem Tag glücklicherweise etwas entspannter. Trotz unserer Zielzeit von 12 Stunden und 12 Minuten bekamen wir unsere Medaillen und Teilnehmerurkunden.
Darüber haben wir uns ehrlich sehr gefreut, besonders weil wir unterwegs bewusst viele zusätzliche Pausen zum Schutz unserer Hunde eingelegt hatten.
Jeder Finisher wurde einzeln über Lautsprecher begrüßt. Aus dem Zielbereich hörte man Applaus, Musik und erschöpfte, aber glückliche Stimmen. Dieser Moment war unglaublich emotional: Erschöpfung, Stolz und Erleichterung gleichzeitig.
Und dann kam plötzlich dieser Gedanke:
Wir haben das wirklich geschafft.
Wir hatten einen schönen Tag mit vielen spannenden Momenten, an welche wir uns dank unserer Medaillen noch lange erinnern können. Eine kleine Kritik von uns: Leider gab es keine Hunde-Medaillen. Alma und Momo hätten sich definitiv ebenfalls eine verdient.
Unser Fazit zum Megamarsch
Der Megamarsch in Hannover war für uns weit mehr als nur ein 50-km-Event. Es war ein Tag voller Natur, Teamarbeit, Vertrauen und gemeinsamer kleiner Momente. Besonders als blinder Teilnehmer habe ich gespürt, wie wichtig gute Kommunikation, gegenseitige Unterstützung und eine inklusive Atmosphäre sind. Die Organisation war stark, die Strecke abwechslungsreich und die Stimmung durchgehend motivierend. Gleichzeitig hat uns der Marsch aber auch körperlich und mental an unsere Grenzen gebracht.
Würden wir wieder teilnehmen? Definitiv ja, allerdings nur mit guter Vorbereitung, ausreichend Respekt vor der Distanz und Rücksicht auf Mensch und Hund.
Und vielleicht warten beim nächsten Mal sogar kleine Medaillen auf Alma und Momo.
Häufige Fragen zum Megamarsch
Darf man Hunde beim Megamarsch mitnehmen?
Ja, zumindest beim Megamarsch in Hannover waren Hunde erlaubt. Wichtig sind ausreichend Wasser, regelmäßige Pausen und ein realistisches Einschätzen der Belastbarkeit des Hundes.
Ist der Megamarsch für Anfänger geeignet?
Grundsätzlich ja , allerdings sollte man vorher trainieren. Besonders die letzten 15 bis 20 Kilometer sind körperlich und mental deutlich anstrengender als viele erwarten.
Wie anstrengend sind 50 Kilometer wirklich?
Sehr anstrengend. Nicht unbedingt wegen der Geschwindigkeit, sondern wegen der langen Belastungsdauer. Besonders Füße, Knie und Konzentration werden über viele Stunden gefordert.
Kann man den Megamarsch als blinder Teilnehmer schaffen?
Ja, mit guter Begleitung, Vorbereitung und einem funktionierenden Führsystem ist das absolut möglich. Wichtig sind Vertrauen, Kommunikation und genügend gemeinsame Trainingserfahrung.
Was war für euch die größte Herausforderung?
Die Kombination aus Wärme, langen Asphaltpassagen und der mentalen Müdigkeit ab Kilometer 35.
Transparenzhinweis
Ich habe für diesen Beitrag weder Geld noch kostenlose Tickets oder andere Gegenleistungen erhalten. Der Bericht basiert ausschließlich auf unseren persönlichen Erfahrungen.
Jetzt seid ihr dran
Seid ihr selbst schon einmal einen Megamarsch oder ein anderes Wanderevent gelaufen? Vielleicht sogar mit Hund oder als Gruppe? Verratet es in den Kommentaren
