Wer kennt es nicht, ein klarer Blick durch die Fenster ist nicht mehr möglich, auf allen Möbeln liegt der Staub bereits meterhoch. Die Küche sieht aus als wäre darin eine Bombe explodiert. Und dank Denny wurde auch noch der komplette Fußboden mit einer Dreckschicht überzogen. Spätestens wenn dieser Zustand erreicht wurde, ist klar, dass meine Wohnung dringend mal wieder eine Grundreinigung verdient hat.

Nun ist es aber so, dass - wie ich euch bereits in dem Artikel bezüglich Miri berichtet hatte - Putzen nicht zu meinen größten Leidenschaften gehört. Es macht mir ganz sicher keinen Spaß, kostet viel Zeit und fällt mir in manchen Situationen auch schwer. Am Ende habe ich diese Verpflichtung oft zu lang links liegen gelassen und wenn ich mich tatsächlich mal dazu aufraffte, war viel zu schnell wieder der vorherige Zustand eingekehrt.

Es stand fest, dass es nur eine Lösung für dieses Problem gibt. Ich brauchte eine Freundin, denn wie jeder weiß ... Nein Spaß beiseite 😊 Ich begab mich auf die Suche nach einer Reinigungskraft. Die richtige zu finden stellte sich jedoch als eine größere Herausforderung heraus, als zunächst gedacht. Warum das so ist und was meine Blindheit damit zu tun hat möchte ich euch im folgenden genauer beschreiben.

Die Anstellung

Üblicherweise findet man eine Reinigungskraft schnell und unkompliziert über eine entsprechende Agentur. Eine solche in der eigenen Stadt zu finden sollte nicht schwer sein. Die Agentur sendet fortan zu den ausgemachten Zeiten jemanden vorbei. Entweder übergibt man einen Wohnungsschlüssel oder man ist zum Zeitpunkt der Reinigung zu hause. Ich habe mich für ersteres entschieden und bin damit zufrieden. So einfach ist es, die regelmäßige Reinigung ist sichergestellt.

Natürlich ist es nicht so, dass fortan alles auf magische Weise reine bleibt. Die Reinigungskraft ist nun regelmäßig aktiv und hinterlässt selbstverständlich auch andere Spuren...

Ordnung ist wichtig

Wie in jedem gutem Haushalt halte auch ich eine gewisse Ordnung. Darüber hatte ich bereits in einem früheren Artikel berichtet. Wenn alles an Ort und Stelle ist finde ich mich problemlos "blind" in der Wohnung zurecht. Problematisch wird es, wenn eine Fernbedienung, die Gießkanne oder ein anderer Gegenstand nicht an seinem Platz liegt. Eine sehende Person hat damit geringere Probleme, ich muss systematisch danach suchen, was mich Zeit und Nerven kostet. Wenn ich während der Suche über den Gegenstand stolpere wird das Ganze sogar noch zu einer Gefahr.

Der regelmäßige Besuch durch die Putzfrau ist somit auch eine gute Gelegenheit um eine sehende Person in der Wohnung nach dem Rechten sehen zu lassen.

Ich habe allerdings auch schon gegenteilige Erfahrungen machen müssen. So ist es mir beispielsweise passiert, dass meine Reinigungskraft auf meinen Ablageflächen für einiges Chaos gesorgt hat. Beim Reinigen räumte sie alles was darauf stand herunter und wieder zurück. Die unterschiedlichen Cremes und Lotionen durfte ich danach wieder mühsam auseinander sortieren. Ich habe normalerweise eine gewohnte Ordnung. Glaubt mir, es ist kein angenehmes Gefühl wenn man sich mit der vermutlichen Body Lotion eingerieben hat, nur um festzustellen dass es sich in Wahrheit um Duschgel gehandelt hat.

Für mich ist es sehr wichtig, dass ich mich darauf verlassen kann, alles wieder an der gewohnten Stelle vorzufinden. Mittlerweile haben wir uns darüber hinaus darauf geeinigt, dass sie alles was sie nicht mehr zuordnen kann oder während des Putzens auf dem Fußboden gefunden hat an einer bestimmten Stelle ablegt. Auf diesem Wege kann ich später in aller Ruhe wieder meine Ordnung herstellen und es ist sichergestellt, dass nichts im Wege herumliegt oder verloren geht.

Eigenständiges Arbeiten

Da ich der Reinigungskraft nicht sagen kann wo genau geputzt werden muss, ist es wichtig, dass sie selbst erkennt wo es dreckig ist. Es gibt zwar gewisse Dinge die jedes Mal drankommen, wie das Wischen der Fußböden. Sie sollte aber auch selbst sehen, wenn es irgendwo noch mehr zu tun gibt. Nur weil ich sie nicht sehe, heißt es noch lange nicht, dass ich Haare von Denny auf dem Badewannenrand haben möchte und nur weil ich den Blick aus dem Fenster nicht genießen kann, heißt es nicht, dass meine Fenster verschmutzt bleiben können.

Soweit hatte alles immer super funktioniert und ich war mit ihr immer zufrieden. Mein Bruder berichtete mir bei seinem letzten Besuch, dass meine Wohnungstür dreckig sei. Denny legt sich gern vor diese, wenn ich ohne ihn unterwegs bin. Entsprechend hatten sich einige Flecken daran angesammelt, welche entfernt werden sollten. Als ich meine Reinigungskraft darauf ansprach, meinte diese, dass ich ihr sagen sollen wenn zusätzliche Dinge zu erledigen sind.

Auf diesen Punkt sollte man als Blinder denke ich bei der Anstellung besonders Wert legen. Da man als Blinder nicht immer alles mitbekommen kann, ist es wichtig, dass die Reinigungskraft mitdenkt und auch einmal gezielt nachfragt. Idealerweise würde ich mich in diesem Zusammenhang auch über weitergehende Hinweise wie bspw. über defekte Leuchtmittel oder Schimmel im Fenstereck freuen.

Reinigungsmaterial aufräumen

Wie bereits gesagt, ist es mir wichtig, dass ich mich in meiner Wohnung frei bewegen kann, ohne aufpassen zu müssen über etwas unerwartetes zu stolpern. Aus diesem Grund habe ich in meinem Flur einen Schrank extra für Reinigungsutensilien aufgestellt. Wenn meine Reinigungskraft bei mir putzt findet sie alles was sie benötigt in diesem Schrank ordentlich sortiert vor und wenn sie mit ihrer Arbeit fertig ist sollte sie auch wieder ordentlich zurück räumen. Wer bereits einmal nach Hause gekommen ist und fast über einen Putzeimer mit etlichen Putzmitteln darin geflogen ist wird wissen wovon ich rede.

Putzmittel sind wichtig

Da ich selten selbst putze habe ich auch nicht den vollen Überblick über meinen Vorrat an Putzmitteln und welches davon für welchen Einsatzzweck das richtige ist. Aus diesem Grund muss ich mich ebenfalls darauf verlassen können, dass meine Reinigungskraft die richtigen Reinigungsmittel verwendet und stets darauf achtet das genügend vorhanden sind.

So war es mir einmal passiert, dass meine Reinigungskraft krank wurde und die Reinigungsfirma eine Vertretung vorbei schickte. Zu meinem Erstaunen erklärte mir diese, dass die vorhandenen Mittel für meine Wohnung nicht ideal geeignet und unnötig stark seien. Sie organisierte die richtigen und begann die Arbeit. Nachdem sie gegangen war kontrollierte ich mit Hilfe einer Freundin meine Reinigungskraft und wir stellten fest, dass sie durchaus Recht hatte. Kurzerhand kontaktierte ich die Reinigungsfirma und seither ist die kompetente Vertretung meine dauerhafte Reinigungskraft.

Kommunikation in einer mir geläufigen Sprache

Bei dem eben geschilderten Erlebnis wurde mir klar, wie wichtig es ist, dass meine Reinigungskraft und ich in einer gemeinsamen Sprache kommunizieren können. Bei Problemen wie diesem sollten wir offen reden können, auch in anderen Situationen ist eine freie Kommunikation wichtig. Schließlich kann ich nicht lesen was auf den Reinigungsmittelflaschen oder einem hinterlassenen Notizzettel steht und die Kommunikation über Mimik und Gestik ist ebenso schwierig.

Fazit

Eine Reinigungskraft ist für mich eine große Hilfe im Leben. Sie stellt sicher, dass meine Wohnung stets ordentlich und präsentabel ist. Als Blinder halte ich es für besonders wichtig, dass die Person eigenverantwortlich arbeitet und auch mal über die eigentliche Aufgabe hinaus mitdenkt.

Kommentare  

Stephan
#2 Stephan 2018-05-09 09:27
Hi Gaby,
ja Kommunikation ist sehr wichtig deshalb hatte ich diese ja als einen extra Punkt in meiner Liste mit aufgenommen.
Da ich meist nicht zuhause bin wenn meine Reinigungskraft bei mir sauber macht läuft diese rein telefonisch ab, jedoch meist sind es nur Kleinigkeiten, wie z.B. dass sie beim kommenden mal die Fenster oder so reinigen möchte und mir deshalb mitteilt das sie beim kommenden Termin etwas länger in meiner Wohnung beschäftigt sein wird.
Bezüglich deiner Frage woher ich weiß was sie vom Fußboden aufgehoben hat, Sie tut immer alle Dinge die sie in der Wohnung findet oder nicht mehr weiß wo diese hingehören an eine ausgemachte Stelle meiner Wohnung, so dass ich diese anschließend wieder an die entsprechenden Stellen räumen kann.
Gut so weiß ich selbstverständlich nicht was sie auf dem Fußboden gefunden hat oder bei was sie nicht mehr wusste wo es ursprünglich einmal gestanden hat, aber das hat mich noch nie gestört.
Ich hoffe alle deine Fragen beantwortet zu haben.
Gruß
Stephan
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Gabriele Bender
#1 Gabriele Bender 2018-05-08 14:56
Hallo stephan, vorab: ich habe keine Putzfrau, putze selber, habe aber sehende Kontrolle. Kommunikation erscheint mir als das wichtigste überhaupt zwischen dir und der Putzkraft. Wie vollzieht Ihr diese? Woher weißt Du, was sie Dir vom Boden alles aufgehoben hat? Eine Ordnung kann nicht mehr vorhanden sein. Meiner Meinung nach ist eine mitdenkende Putzkraft zwar das Beste, aber es kann auch sehr subjektiv enden. Wie wäre es mit einem genauen Katalog, wann was zu reinigen ist, mit der Gefahr, dass vieleicht auch einmal zu viel gereinigt wird? Wir haben so einen Katalog mit unserer Gartenfirma erstellt. Läuft gut, wenn keine Vertretung kommt. Gruß Gaby
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