Schon von jeher bewundere ich Leute, die in ihren eigenen vier Wänden Pflanzen stehen haben. Als ich meine erste eigene Wohnung bezog stand für mich fest, dass neben den wirklich wichtigen Einrichtungsgegenständen wie Sofa, Lautsprechersystem und Fernseher auch einige Pflanzen in meinem Wohnzimmer ihren Platz finden müssen. Blöd nur, dass keine einzige der unterschiedlichen Zimmerpflanzen lange überleben wollte.

Spätestens als ein eigentlich als pflegeleicht geltender Kaktus kein Lebenszeichen mehr von sich geben wollte musste ich akzeptieren, dass ich eindeutig keinen grünen Daumen habe. So blieb mir keine andere Wahl als wie etliche meiner blinden Freunde Kunstpflanzen aufzustellen. Mit dieser Lösung wollte ich mich allerdings nie zufrieden stellen. Eine richtige Pflanze lebt und verändert sich, hat außerdem positive Auswirkungen auf das Raumklima. Auch für Besuch wollte ich meine Wohnung zu einem gemütlichen Ort machen, an dem man auch gerne einmal länger bleiben möchte.

Auf der Suche nach einer Möglichkeit Pflanzen zu beherbergen

Im Dezember letzten Jahres fand ich dann endlich, wenn auch durch Zufall, eine Lösung für mein Problem. So stieß ich während der Suche nach meinem neuen Robotorstaubsauger auch auf das restliche Produktsortiment von Xiaomi und hierbei fiel mir der Xiaomi Mi Pflanzensensor ganz besonders ins Auge.

Dieser Sensor klang genau nach der Lösung für mein Problem, da es sich hier um ein Hilfsmittel handelt, welches sich mittels Bluetooth mit dem Smartphone verbindet und über die entsprechende App stets über den aktuellen Pflegezustand der Pflanze informieren soll. Für jemand wie mich, der immer auf der Suche nach neuen lebenserleichternden Spielzeugen ist, genau das richtige. Nachdem ich noch eins zwei Nächte über die Idee geschlafen hatte bestellte ich den Sensor schlussendlich.

Aufbau und Eigenschaften

Bereits wenige Tage später landete ein recht kleines Paket in meinem Briefkasten. In diesem befand sich nur ein etwa 12 Zentimeter kleines Gerät, welches wie ein Feuerzeug mit Beinen aussieht, das sich im Grunde in zwei Teile aufteilt. Der obere Teil beherbergt neben einer handelsüblichen CR2032-Knopfzelle und einem Bluetooth 4.1 Modul Sensoren für die Helligkeit (oben) und die Umgebungstemperatur. Der untere Teil -der wie zwei Beine aussieht- misst die Feuchtigkeit und Fruchtbarkeit der Erde. Alles wirkt insgesamt sehr gut verarbeitet und machte einen vertrauenserregenden Eindruck.

Die Inbetriebnahme

Bevor ich mit Unterstützung dieses Sensors mein Pflanzenglück neu probieren konnte, musste ich mir jedoch erst einmal wieder eine richtige Pflanze zulegen. Ich wollte mit einer leicht zu pflegende Pflanze beginnen, und schaute deshalb beim hiesigen Pflanzendealer vorbei. Schnell stand für die Fachfrau fest, dass ein Dracaena draco, besser bekannt als Drachenbaum, genau das richtige für mein Experiment ist.

So dauerte es auch nicht lange bis ich mit einem solchen wieder den Heimweg antrat. Zuhause angekommen platzierte ich die Pflanze an dem von mir ausgesuchten Platz und steckte den Sensor in die Erde. Natürlich achtete ich dabei darauf, dass ich möglichst wenig Wurzelmaterial beschädigte. Zu guter Letzt installierte ich mir noch auf meinem iPhone die Flower Care App von Xiaomi, dank der ich zukünftig stets über den Pflegezustands meiner neuen Pflanze informiert bin.

Zu meiner Freude musste ich feststellen, dass ich im Gegenteil zur Ersteinrichtung von Miri (mein Staubsauger) hier keine sehende Hilfe benötigte, um die Ersteinrichtung vollständig zu absolvieren. Auch hatte ich dank Miri bereits einen Mi-Account, welcher für die Verwendung der App zwingend notwendig ist. Nachdem ich mich mit meinem Mi-Account angemeldet hatte und die Pflanzensuche startete wurde mir nach wenigen Sekunden ein Flower Care Smart Sensor angezeigt.

Im nächsten Schritt wurde mir eine Liste mit über 3000 Pflanzen zur Auswahl gestellt. Da ich meine Pflanzenart nicht gleich in der Liste, was bei so vielen Pflanzen relativ schwer ist, finden konnte nutzte ich einfach das Suchfeld (lateinischer Name) aus und schon war die Einrichtung abgeschlossen.

Der Praxis Test

Nach der erfolgreichen Einrichtung lieferte mir die App direkt entsprechende Informationen der Sensoren. So bekam ich direkt angezeigt, dass die Versorgung mit Sonnenlicht, Wasser und Nährstoffen, sowie die Temperatur im „grünen Bereich“ sind. Ihr könnt euch sicher gut vorstellen, dass ich erleichtert war, dass die Pflanze mit der von mir gewählten Stelle meiner Wohnung zufrieden ist.

Als ich anschließend auf einen der vier Bereiche klickte wurden mir auch gleich entsprechende Pflegetipps, selbstverständlich passend zu meiner Pflanze, angezeigt. Bis hierhin war ich mit allen Eigenschaften des Pflanzensensors in Kombination mit der App zufrieden.

Wie verhält es sich allerdings, wenn einmal ein Wert nicht mehr im optimal Bereich ist? Schließlich war genau das ja der Punkt, wegen dem ich ihn mir zugelegt hatte. Um dies herauszufinden vernachlässigte ich meine Pflanze und gab ihr absichtlich kein Wasser. Anschließend wartete ich ständig darauf ob mich die App auffordert meine Pflanze zu gießen, doch die App blieb stumm. Als diese 8 Tage später noch immer keine Anstalten machte mich zum Gießen aufzufordern öffnete ich wieder einmal die App und Schwupps wurde ich aufgefordert die Pflanze zu gießen.

Als erstes vermutete ich selbstverständlich das ich einfach eine Einstellung in der App falsch gesetzt hatte. Doch leider gibt es keine Möglichkeit Push Mitteilungen zu aktivieren oder sonst eine Möglichkeit ohne das Öffnen der App über den Pflegezustand der Pflanze informiert zu werden. Ich ärgerte mich, dass Xiaomi an diese logische Funktion scheinbar nicht gedacht hat und wollte das Experiment bereits als gescheitert abtun.

Doch dann kam ich auf eine naheliegende Idee, denn was wäre logischer als meiner Heimautomatisierung auch das Überwachen meiner Pflanzen zu übergeben?

openHAB - smarte Pflanzen

Wie so oft ist die Integration von neuen Geräten oder Techniken in openHAB einfach, solang ein passendes Addon oder eine gut nachvollziehbare 1-2-3 Anleitung für diese existieren. So auch in diesem Falle. Die Lösung welche ich gewählt habe ist einfach eingerichtet und in openHAB konfiguriert. Alle nötigen Schritte sind auf der Projektseite zu finden: miflore-mqtt-daemon

Besonders praktisch ist, dass die nötige Vorbereitung im openHAB Raspberry Pi System openHABian bereits enthalten ist.

Da der Sensor per Bluetooth ausgelesen wird, sollte sich die Pflanze nicht zu weit vom Raspberry Pi entfernt befinden. Nach der Einrichtung ruft der Pi regelmäßig, beispielsweise alle 30 Minuten, alle Werte von allen verbundenen Sensoren ab und übergibt diese an openHAB.

Von diesem Punkt an sind alle Pflanzenwerte in Items gespeichert und können wie alle anderen openHAB Items verwendet werden. Dazu zählt zunächst einmal die Anzeige in der openHAB App, viel entscheidender aber die Berücksichtigung in Automatisierungsregeln. So war es ein leichtes, eine Push-Benachrichtigung zu senden, sobald die Erdfeuchte unter 20% gefallen ist UND ich die Wohnung betrete. Den Grenzwert wählte ich, nachdem ich die Zahl meiner Pflanze für einige Tage im Blick hatte. Natürlich sollte man bei neuen Pflanzen die Werte ebenso einige Tage beobachten, um den richtigen Wert zu finden.

Das schöne an der openHAB Integration ist, dass man alle Sensorwerte mehrerer Sensoren für beliebige Automatisierungsschritte verwenden kann. So wäre es eine witzige aber bei mir noch entfernte Idee eine automatische Bewässerung an die Messwerte zu koppeln.

Die anderen Sensordaten, wie Temperatur oder Fruchtbarkeit, verwende ich zum aktuellen Zeitpunkt nicht.

Mein Fazit

Ja, die Idee eines Pflanzensensors ist nicht verkehrt, gerade dann, wenn Blinde Pflanzen in den eigenen vier Wänden optimal pflegen und hegen wollen. Das große ABER und für mich fast auch das K.O.-Kriterium an dem Pflanzensensor und der App: Es gibt keine Benachrichtigungsfunktion. Zu meinem Glück war es jedoch problemlos möglich diese Aufgabe an mein Smart Home zu übergeben. Nun knapp ein Jahr später kann ich euch erfreut mitteilen, JA meine Pflanze lebt dank dieses Spielzeugs noch und ich habe mir sogar noch weitere Pflanzen aufgestellt.

Kommentare  

Gabriele Bender
#1 Gabriele Bender 2018-10-04 13:44
Hi Stephan, sehr guter, ausführlicher Bericht. Dieser Pflanzensensor i.V.m. der App ist eine gute Erfindung und noch besser ist, dass er von Beginn an barrierefrei programiert wurde. Allerdings gebe ich Dir zu 100% recht, dass so eine App zwingend eine Push-Benachrichtigung bei einer Über/Unterversorgung senden muss. Schließlich kann /möchte nicht jeder eine Hausautomatisierung haben. Hast Du diesbezüglich evtl. einmal daran gedacht, an die Entwickler zu schreiben? VG Gaby
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