Als ich mich vergangenes Jahr auf die Suche nach einem neuem Smartphone begeben hatte musste ich mir darüber klar werden, was mir an dem neuen Gerät wichtig ist. Ich kam zu dem Resultat, dass nur zwei Smartphones meine Ansprüche voll und ganz erfüllen konnten. Am Ende bin ich doch lieber auf Nummer sicher gegangen und bin mit dem iPhone 6s in der Apple-Welt geblieben.

Vor wenigen Tagen habe ich das Angebot bekommen ein Samsung Galaxy S6, meinen Favoriten unter den Android Geräten, für ein paar Wochen zu testen. Zwar bin ich mit iOS als Betriebssystem vertrauter als mit Android, dennoch traue ich mir durchaus zu den "Blind-Test" unvoreingenommen anzutreten. Wird das Gerät und die Sprachunterstützung im Betriebssystem und installierten Apps überzeugen?

Nachdem ich die letzten 14 Tage das S6 als mein Hauptgerät verwendet habe, wird es nun Zeit, euch von meinen Erfahrungen zu berichten.

Mein erster Eindruck

Bereits beim Auspacken erkannte ich das Samsung mit dem S6 keine halben Sachen gemacht hat. Das Smartphone muss sich in Bezug auf Haptik und Optik nicht verstecken. Obwohl es minimal größer als mein iPhone ist liegt es gut in meiner Hand. Auch die Verarbeitung lässt nichts zum Meckern übrig und die Bedienung ist prima. Diesen Eindruck habe ich, da neben dem Alurahmen und der Glasfront und Rückseite die Bedienelemente an genau den richtigen Stellen positioniert wurden. Auf der Frontseite befindet sich der für Samsung typische Home-Button, welcher gleichzeitig als Fingerabdruckscanner verwendet werden kann. Auf der rechten Seite befindet sich der Power-Button und auf der linken Seite die Bedienelemente für laut und leise. Die Positionierung der Knöpfe finde ich gut bedacht. Diese wurden so angebracht, dass man beim Telefonieren den Daumen nicht auf den Ein-/Ausschalter liegen hat, die Lautstärkeregelung allerdings gut erreichbar ist. Ich lege auf solche Kleinigkeiten viel Wert, weil sie zeigen dass bei der Entwicklung eines Geräts auch auf die Details geachtet wurde. Wenn ein Handy schon nicht bequem in meiner Hand liegt, wie viel kann ich dann noch von diesem erwarten? :) Zu den Spitzen-Smartphones zählt es dann für mich vermutlich nicht mehr.

Der Fingerabdruck-Scanner

Bei dem Upgrade vom iPhone 5c zum iPhone 6s war ich bereits ein großer Fan des Fingerabdruck-Scanners. Genervt vom Entsperrcode die perfekte Alternative. Da sowohl das iPhone 6s als auch das Samsung S6 diesen an identischer Stelle verbaut haben kann ich ihn sehr gut vergleichen. Das Anlernen der Fingerabdrücke funktioniert beim S6 genauso schnell und problemlos wie am iPhone. Als ich anschließend einen Vergleichstest anstellte, konnten beide bei jeweils 10 Versuchen nur einmal den Finger nicht sofort erkennen. Dieses Ergebnis empfand ich als sehr positiv, denn eine Zuverlässigkeit von 90 Prozent ist super und hat mich am iPhone noch nie gestört.

Die Kamera

Nachdem ich den Fingerabdrucksensor getestet hatte galt meine Aufmerksamkeit der Kamera. Wie in vorangegangenen Artikeln bereits geschrieben ist diese auch für Blinde nicht zu vernachlässigen. Wenn man einmal unterwegs einen Gegenstand oder ein Schriftstück erkennen lassen möchte hängt die richtige Erkennung stark von der Kameraqualität ab, vor allem, wenn der Nutzer diese nicht bewerten sondern nur darauf vertrauen kann. Eine gute Kamera macht selbst bei nicht optimalen Lichtverhältnissen brauchbare Fotos. So fotografierte ich mit Hilfe der App KNFB Reader einige Schriftstücke um diese schnell erkennen und vorlesen zu lassen. Zu meinem Glück kannte ich die KNFB Reader App bereits vom iPhone und da die Android Version dieser App identisch aufgebaut ist war schnell klar welcher Schalter wo ist, denn leider sind hier nicht alle Schalter beschriftet wurden :-( Dass nicht alle Schaltflächen beschriftet sind war jedoch für die Texterkennung uninteressant, denn diese funktionierte auch bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen sehr gut.

Das Betriebssystem und die Zugänglichkeit

Die Software war der Punkt wegen dem ich mich letztendlich für das iPhone mit dem mir vertrauten IOS und VoiceOver entschieden hatte, statt den Wechsel zu Android mit Talkback auf dem Samsung zu wagen. Doch waren meine Bedenken wirklich gerechtfertigt?

Beim ersten Start des S6 und nach dem Aktivieren vom bei Samsung Voice Assistant genannten Screenreeder begrüßte mich die wirklich schrecklich klingende standard Google "Pico" Stimme. Glücklicherweise hat Samsung eine weibliche Stimme von Nuance vorinstalliert auf welche ich gleich wechselte, bevor ich mir die Sprachgeschwindigkeit usw. an meine persönlichen Vorlieben anpasste. Während ich diese grundsätzlichen Einstellungen vornehmen wollte merkte ich bereits das Voice Assistant nicht einfach nur ein umbenanntes Talk Back ist. So sind beispielsweise die Bediengesten unterschiedlich, welche mir in der Hilfe zu Voice Assistant allerdings sehr gut beschrieben wurden. Hierbei stellte ich erfreut fest, dass diese Bedienungsgesten deutlich einfacher zu wählen sind als unter Talk Back und noch einige weitere hinzugefügt wurden. Beispielsweise kann man wie am iPhone auch hier durch dreimaliges drücken des Homebuttons die Sprachausgabe aktivieren und deaktivieren oder durch zweimaliges Drückens des Einschalters einen Bildschirmvorhang aktivieren. Doch das war es noch nicht was man noch zusätzlich mit diesen beiden Schaltern machen kann, so ist es möglich unter den Bedienungshilfen zu aktivieren, dass man sie zum Anruf annehmen und auflegen verwenden will. Da mein Handy häufig klingelt merkte ich schnell wie genial diese Idee ist. Da eine schnelle Annahme eines Gesprächs jedoch nicht zwingend auch etwas über die Gesprächsqualität aussagt testete ich auch diese. Um dies testen zu können telefonierte ich mit dem S6 sowohl normal in der Hand am Ohr und vor mir auf dem Schreibtisch liegend. Während beiden Testvarianten habe ich mein Gegenüber sehr gut verstanden und auch diese äußerten sich positiv. Zu meinem Test rief ich auch bei einer Hotline an um die bei diesen beliebten Vorauswahl-Menüs zu testen. Hierbei stellte ich bedauernd fest, dass die Sprachausgabe während des Gesprächs die Zifferntasten erst dann vorliest, wenn man die entsprechende Ziffer gewählt hat, hierdurch war es mir nur schwer möglich die gewünschte Auswahl treffen zu können.

Dieses Erlebnis erinnerte mich an die KNFB Reader App. In dieser war mir bereits aufgefallen, dass einige Schalter nicht beschriftet sind und so testete ich noch einige andere von mir tagtäglich genutzten Apps, z.B. DB Navigator, WhatsApp Messenger, Facebook, Sonos Controller, FRITZ!App Fon, Threema usw. Leider musste ich jedoch feststellen dass der KNFB Reader bezüglich Zugänglichkeit keine Ausnahme ist. In den meisten von mir getesteten Apps fand ich stellen an denen Schaltflächen oder andere Oberflächenelemente keine oder irreführende Sprachausgaben erzeugten.

Das Problem mit nicht gut unterstützten Apps ist durchaus verständlich. Entwickler achten in erster Linie auf eine ansprechende Optik und dafür gibt es unter Android mehr als genug Möglichkeiten. Die Unterstützung für Screenreader spielt dabei nur eine kleine Rolle. Ich habe mir deswegen vorgenommen in Zukunft App-Entwickler auf Zugänglichkeits-Probleme hinzuweisen. Die Behebung dieser Uneindeutigkeiten ist, so wurde mir gesagt, meist mit wenigen Ergänzungen erledigt.

Beim Tippen von Texten fiel mir noch eine Kleinigkeit auf. Die Eingabe gelingt über die Bildschirmtastatur zwar gut, es war mir allerdings nur schwer möglich ein "U" von einen "O" zu unterscheiden. Hier fehlt in Voice Assistant das von mir geliebte phonetische Feedback des VoiceOver Systems.

Fazit

Als Zusammenfassung kann ich sagen, dass Samsung ein Spitzengerät gebaut hat. Dank seiner super Hardware und dem alternativen Screen Reader ist es eine gute Alternative zum iPhone. So kann ich beruhigt sagen, wer gerne ein Android Smartphone nutzen möchte wird die Wahl für das Samsung S6 nicht bereuen. Ich erhoffe mir durch Updates des Betriebssystems und der installierten Apps weitere Verbesserungen. Zu dem Zeitpunkt meines Tests hatte Samsung leider noch kein Update auf das derzeit aktuelle Android 6.0 herausgegeben. Ich bin Gespannt ob die mir aufgefallenen Kleinigkeiten mit diesem bereits angekündigten Update behoben werden.

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