In meinem Beitrag Showdown - Tischtennis für Blinde hatte ich darüber berichtet, dass es mit dem Showdown getauften Sport auch für Blinde möglich ist eine Art Tischtennis zu spielen. Viele Sportarten sind, mit leichten Abwandlungen, auch für Blinde spielbar und machen genau wie das Original viel Spaß!

Heute möchte ich euch von einer weiteren Sportart berichten, die ich vor kurzem testen durfte. Akustisches Dart.

Immer eine gute Gelegenheit - BBSB Veranstaltungen

In einer Info-Mail des BBSB von vor einigen Wochen wurden Interessenten für Akustisches Dart, einer Spezialform des klassischen Darts, gesucht. Ich wollte diese Mail schon für Sehbehinderte interessant abtun, als ich mich an meine Fehleinschätzung bezüglich Showdown erinnerte. Den gleichen Fehler wollte ich kein zweites Mal begehen und so notierte ich mir den Termin in meinem Kalender und sagte zu.

Am 28. April pünktlich um 16 Uhr war es soweit und in der Geschäftsstelle des BBSB in München wurde Dart für Blinde und Sehbehinderte unter dem Motto Akustisches Dart vorgestellt. Neben mir waren noch etliche weitere Blinde und Sehbehinderte anwesend und lauschten interessiert, als ein Mitarbeiter der Herstellerfirma Mega Elektronika erklärte wie sie auf die Idee gekommen sind.

Klassisches Dart

Bei Dart (oder auch Darts) handelt es sich um ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem mit Pfeilen oder eben "Darts" auf eine runde Scheibe, die Dartscheibe geworfen wird. Soweit ist sicher jeder mit diesem Spiel bzw. Sport vertraut. Die Regeln und das Punktesystem sind etwas komplexer, aber dazu später mehr.

Das Grundprinzip des Spiels ist genau wie bereits bei Tischtennis das Problem für den blinden oder sehbehinderten Spieler. Die meisten Spiele setzen darauf, dass der Spieler das Spiel beobachtet und reagieren kann. Beim Tischtennis muss der Ball im Blick bleiben, beim Dart muss die Scheibe angezielt werden. Keine leichte Sache für den blinden Spieler - aber wer sagt, dass das Anzielen lediglich mit den Augen möglich ist!?

Das Gerät vorgestellt

Um leicht verständlich zu erklären, wie das Ganze nun auch für Blinde funktionieren soll, bat der Vorführende die Organisatorin der Veranstalltung, Frau Martina Hellriegel, um Ihre Hilfe bei der Inbetriebnahme. Zu aller erst musste die elektronische Dartscheibe eingeschaltet werden. Dies war problemlos über einen Wippschalter an der Seite möglich. Nach dem Einschalten wird man von einer freundlich klingenden deutschen Stimme begrüßt, deren Lautstärke über ein Drehrad direkt unterhalb des Einschaltschalters geregelt werden konnte. Über die drei gut ertastbare Schalter (Menütaste, Bestätigungs- oder Start-Taste und die Plus-Taste) konnte Martina das gewünschte Spiel und die Anzahl der Spieler einstellen. Neben den 8 bekanntesten Dart-Varianten waren bis zu 10 Spieler möglich. Martina aktivierte das Spiel 301 und zwei Spieler. Anschließend nahm sie die Wurfstellung ein und versuchte die drei Darts in die Dartscheibe zu werfen. Wie beim normalen Dart steht man 2,44m von der Dartscheibe entfernt, welche auf der Standardhöhe von 1,73m gemessen vom Boden bis zur Mitte der Dartscheibe hängt. Wie beim Original wirft man mit kleinen Pfeilen mit Plastespitze.

Akustisches Dart im Test

Soweit so gut aber wie sollen wir auf diese Distanz "blind" die Mitte der Scheibe treffen, geschweige denn strategisch auf bestimmte Bereiche der Scheibe zielen? Die Scheibe der Firma Mega Elektronika verfügt über eine besondere Funktion. Sie wurde so umgerüstet, dass diese mittels eines Piep-Tones geortet werden kann. Der Piep Ton ertönt so lang wie man werfen darf aus der Mitte der Scheibe.

Martina versuchte ihr Glück. Ihren ersten Pfeil warf Sie leider zu schwach und der zweite kam zu tief an der Scheibe an. Mit dem dritten Pfeil hatte Martina dann schon etwas mehr Glück und traf das 18 Punkte Feld. Da jeder Spieler immer drei Würfe hat, bevor der nächste Spieler an die Reihe kommt musste Martina ihre Pfeile nun aus der Scheibe ziehen bzw aufsammeln und den Startknopf betätigen, sodass der nächste Spieler sein Glück probieren konnte. Reihum konnte nun jeder der Interessenten sein Glück probieren.

Als ich an die Reihe kam stellte ich schnell fest, dass es wirklich viel Konzentration benötigt den Piepton auszumachen und den Pfeil in die richtige Richtung zu werfen. Mein Erfolg war beim ersten Versuch nicht überwältigend aber ich merkte gleich, dass es nach einer gewissen Eingewöhnungszeit und mit ausreichend Übung immer besser funktionieren sollte. Bei dieser Art des Dart Spiels ist definitiv viel Konzentration und ein gutes Gehör notwendig, anders als beim Original also vielleicht nichts für die typische Gastwirtschaft.

Mein Eindruck

Das Akustische Dart als ein Sport für Blind hat mich neugierig gemacht. Besonders gut gefallen hat mir, dass das eigentliche Grundspiel mit seinen Elementen, Regeln und Bewertungen unverändert bleibt. Das Spiel wird lediglich um einen parallel ertönenden Ton ergänzt. Das Spiel ist somit also leicht erschwinglich und kann mit sehenden Freunden und Bekannten zusammen gespielt werden. Dies ist für mich definitiv ein großer Pluspunkt. Vielleicht kann ich euch schon bald von meiner eigenen Scheibe berichten.

Was haltet Ihr von der Idee? Würdet ihr euch zu ein Duell im Dart wagen? Hinterlasst mir ein Kommentar mit eurer Meinung!

Kommentare  

Achim
#3 Achim 2017-06-12 18:36
Hallo Stephan,
finde ich schade, dass Du keinen Preis für mich hast. Aber vielleicht Kontaktinformationen des Herstellers vielleicht?
Den Hersteller spuckt Google nämlich nicht aus.
Danke und Gruß,
Achim
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Stephan
#2 Stephan 2017-06-12 16:47
Hallo Achim,
ja interessant war es wirklich.
Der BBSB hatte hier wie geschrieben die Firma Mega Elektronika als Herstellerfirma aufgetan. Leider konnten die Mitarbeiter mangels Erfahrung keine Angaben dazu machen was so eine Dartscheibe für einen Privatkunden kosten würde, weshalb ich dir diese Frage leider nicht beantworten kann.
Bezüglich der Pfeile, wenn du geworfen hast stecken im günstigsten Fall alle drei Pfeile in der Dartscheibe und können einfach herausgezogen werden.
Sollten diese leider nicht in der Dartscheibe stecken, liegen sie im normalfall direckt unterhalb der Dartscheibe auf dem Fußboden. Wodurch man diese mit den Füßen berührt, wenn man zur Dartscheibe geht, um die Pfeile herauszuziehen.
Gruß
Stephan
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Achim
#1 Achim 2017-06-12 10:31
Hallo Stephan,
sehr interessant!
- Was kostet das gute Stück und wo kann ich es beziehen?
- Wie findet ein Blinder die Pfeile wieder, die auf dem Boden gelandet sind?
Danke und Gruß,
Achim
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