Der BBSB bot am 30.September die Möglichkeit Schießen mit elektronischem Zielsuchsystem auszuprobieren. Von dieser Möglichkeit hatte ich euch bereits in den Kommentaren zu Gabys Erfahrungsbericht bezüglich Bogenschießen für Blinde und Sehbehinderte berichtet. Erfahren hatte ich davon wie so häufig durch eine Info-Mail.

Da ich bereits bei früheren Veranstaltungen wie Showdown - Tischtennis für Blinde oder Akustischen Dart gute Erfahrungen mit Veranstaltungen des BBSB gemacht hatte, war ich auch dieses Mal gleich Feuer und Flamme. Anders als beim Dart wurde für diese Veranstaltung jedoch nicht nur ein Startzeitpunkt ausgewählt, stattdessen wurde der Tag in mehrere Zeitfenster unterteilt. Die Aufteilung sollte sicherstellen, dass immer nur max. 4 Personen gleichzeitig in den Räumlichkeiten anwesend sind und die notwendige Ruhe existieren kann. Ich meldete mich gleich für das erste Zeitfenster an und notierte mir den Termin in meinem Kalender.

Die heutige Veranstaltung des Schießens mit elektronischem Zielsuchsystem stand unter dem Motto "Ins Schwarze treffen - Schießsport für blinde und sehbehinderte Menschen".

Pünktlich um 10 Uhr fand ich mich in den Räumlichkeiten des BBSB ein. Nachdem neben mir noch die restlichen drei Teilnehmer eingetroffen waren begrüßte uns Christa Pekx vom DBSV die nicht nur die Veranstaltung leitete sondern auch eine lizenzierte Übungsleiterin für Schießen ist. Weiterhin berichtete sie dass der DBSV gefördert durch die Aktion Mensch eine Simulations-Schießeinrichtung gekauft hat, da diese Sportart die Orientierungs- und Konzentrationsfähigkeit von blinden und sehbehinderten Menschen verbessern soll.

Klassisches Schießen

Beim Schießen (oder auch Sportschießen) handelt es sich um einen Präzisionssport, bei dem es darauf ankommt durch Körperbeherrschung und geistige Ruhe mittels eines Gewehrs die Mitte einer Schießscheibe zu treffen. Hierzu muss man unter Hilfenahme von Kimme und Korn die Mitte der Schießscheibe fixieren und im richtigen Moment den Abzug drücken. Die Schießscheibe ist in 10 Ringe unterteilt und wird deshalb auch Ringscheibe oder Spiegel genannt. Je näher man den Treffer in die Mitte der Scheibe platziert desto höher die Trefferzahl von 1 bis maximal 10.

Das Grundprinzip des Spiels ist - genau wie bereits beim Dart - das Problem für den blinden oder sehbehinderten Spieler. Bei beiden Sportarten muss die Mitte der Scheibe angezielt werden. Doch wie ich es bereits beim Dart feststellen durfte benötigt man hierfür nicht zwingend die Augen!

Das Gerät vorgestellt

Um uns die Simulations-Schießeinrichtung leicht verständlich näher zu bringen bat Christa Pekx einfach einen von uns vier an das Gerät. Alexander meldete sich sogleich freiwillig. Zu aller erst zeigte Christa ihm das Gewähr und erklärte ihm und uns, dass bei diesem, da es sich um eine mobile Anlage speziell für Blindenschießen handelte, der Gewährlauf sowie die Kimme und Korn entfernt wurden. An der Stelle des Gewährlaufs wurde eine Kamera oder auch „Optronic“ angebracht. Die Optronic wandelt wiederum Lichtstärken in Töne um, die über einen angeschlossenen Kopfhörer ausgegeben werden.

Nach dieser Erklärung setzte sich Alexander die Kopfhörer auf und nahm das Gewähr in die Hand. Anschließend stellte Christa noch die Gewährauflage für Alexander optimal ein, sodass er die richtige Position und Haltung einnehmen konnte. Wie beim normalen Schießen befand sich die Scheibe in einer Entfernung von 10 Metern. Die Scheibenringe werden speziell für das Blindenschießen zur Mitte hin heller.

Elektronisches Schießen im Test

Soweit so gut aber wie funktioniert das Ganze nun aber genau? Dafür sind die Optronic, die Kopfhörer und die zur Mitte hin heller werdende Scheibe notwendig. Über den Kopfhörer ertönt ein Ton der immer höher wird je näher man den Gewährlauf bzw. die Optronic Richtung Mitte der Scheibe ausrichtet. Um zu wissen ob man zu weit Links oder Rechts zielt ertönt der Ton immer auf dem Ohr auf dessen Seite man schießen würde. Sobald man die Mitte angezielt hat ertönt ein sehr hoher Ton auf beiden Ohren.

Alexander versuchte sein Glück. Der erste Schuss traf leider nur die 7 da er das Gewährende nicht richtig an seine Brust gepresst hatte und er so dass Gewähr beim Abschuss verriss. Beim zweiten Versuch ließ er sich leider zu wenig Zeit und drückte zu früh ab, sodass er nur die 8 getroffen hatte. Da jeder von uns zwanzig Minuten Schießen durfte gehe ich jetzt nicht auf jeden Schuss ein aber als Alexander den dreh raus hatte und sich mehr Zeit ließ traf er auch die Mitte und somit den 10. Ring.

Nachdem seine Zeit abgelaufen war kam ich an die Reihe. Mein erster Schuss war leider auch kein 10 Punkte Treffer, aber ich merkte dass es nach ein paar Schüssen immer besser wurde. Ich bin mir sicher, dass ich mit etwas Übung schon bald die meisten Schüsse in der Mitte und somit in den 10. Ring versenken könnte.

Mein Eindruck

Ich finde es faszinierend wie es möglich wurde bereits mit wenigen Änderungen auch für Blinde den Schießsport erfahrbar zu machen. Bei dieser Art des Schießens sind neben einem guten Gehör auch viel Konzentration und eine ruhige Hand notwendig. Besonders klasse finde ich das hierbei die seit Jahren bewährten Regeln beibehalten bleiben konnten und lediglich das Sehen durch das Hören ersetzt werden musste.

Mir hatte das Schießen viel Spaß gemacht und ich hoffe, ich konnte auch euch für diesen interessanten Sport begeistern!

Kommentare  

Gabriele Bender
#1 Gabriele Bender 2017-11-15 14:24
Hi Stephan, gut geschriebener Artikel, wodurch ich mir diese Sportart gut vorstellen konnte, ohne sie bisher ausprobiert zu haben. Gruß gaby
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