Eine Bekannte berichtete vor ein paar Tagen sehr überschwänglich von Ihrem neuesten Gadget. Das Gerät mit dem pfiffigen Namen "Einkaufsfuchs - das mobile Produkterkennungsgerät für Blinde" soll helfen, ohne Hilfe vom Ladenpersonal oder einer Begleitperson, in Geschäften einkaufen zu gehen. Ob an diesem hohen Versprechen etwas dran ist und ob der Einkaufsfuchs ein praktischer Begleiter ist wollte ich in den letzten Tagen heraus finden.

Wie aufmerksame Leser wissen, habe ich dank der Möglichkeit des Online Shoppings hier bereits eine Möglichkeit vorgestellt sehr bequem und ohne fremde Hilfe einzukaufen. Dennoch ist es interessant, dass durch technische Hilfe ermöglicht wird, auch mal im Geschäft Einkäufe zu tätigen. Da meine Bekannte in Berlin wohnt konnte ich ihr Gerät allerdings nicht auf schnellem Wege in die Hände bekommen. Sie brachte mich auf die Idee, direkt beim Hersteller ein Testgerät anzufragen. Am kommenden Tag rief ich bei der Firma SynPhon an. Als ich dem netten Mitarbeiter am Telefon berichtete, dass ich den Einkaufsfuchs nicht nur Testen, sondern auch einen Testbericht dazu veröffentlichen möchte, sagte dieser gleich zu.

Kurz nach dem Telefonat bekam ich auch gleich eine Mail mit der Bedienungsanleitung zu dem Gerät und wenige Tage später kam das Paket mit dem Gerät bei mir an. Darin enthalten: Der Einkaufsfuchs in einer praktischen Schutztasche, ein Ladegerät, 320 Strichcode-Etiketten, ein kleiner Kuscheltier-Fuchs und eine Tüte Gummibären.

Der erste Eindruck

Würde ich die Liebe zum Produkt anhand der Verpackung festmachen, so würde ich SynPhon direkt sagen "gut gemacht". Der Einkaufsfuchs wurde mir gut verpackt und in einer praktischen Tragetasche geliefert. Abgesehen von den genannten Dingen war kein weiterer Schnickschnack wie Werbeflyer in der Kiste. Das erste Anfassgefühl war wirklich gut. Was auch an der Größe des rechteckigen Geräts, welches mich an eine Fernbedienung erinnerte, mit abmaßen von 11 x 6 x 3cm, sowie einem Gewicht von 300Gramm und der Ordentlichen Verarbeitung liegt. Weiterhin wirkte nichts billig und die Schalter sitzen fest und stabil an ihren Plätzen. Ich stellte den Einkaufsfuchs auf seine Gummifüße mit der schrägen Fläche von mir weg zeigend auf den Tisch. Diese schräge Fläche ist das Sichtfenster des Fuchses. Hinter dem Sichtfenster ist ein Barcodeleser mit einem Laser zur besseren Orientierung verbaut. An der linken Seite, etwa in der Mitte, befindet sich der Ein-/Aus-Schalter. Davor, ist das Rädchen zum Einstellen der Lautstärke. Noch etwas weiter vorn ist die Öffnung für die Ladebuchse zum Laden der Akkus. Weiter hinten, kurz vor der Handschlaufe ist der Taster für die Aufnahme. An der Rückseite liegt der Lautsprecher und die Öffnung für den Kopfhörerstecker. An der rechten Seite ist ein Speicherkartenslot mit vorinstallierter SD-Karte. Wofür diese und der Aufnahmetaster benötigt werden werde ich später berichten.

Wie arbeitet der Fuchs?

Nachdem ich den Fuchs mittels des Ein-/Aus-Schalters eingeschaltet hatte, begrüßte mich eine freundlich klingende Begrüßungsmeldung. Anschließend hielt ich zum ersten Test den Fuchs so, dass er mit dem Sichtfenster gerade auf die Verpackung der Gummibären schauen konnte. Da der Einkaufsfuchs anhand des Barcodes die Produkte erkennt, versuchte ich schnellstmöglich diesen auf der Verpackung zu finden. Da es bei Tüten nur zwei Seiten gibt auf denen sich dieser befinden kann, stellte sich meine Suche schnell als Erfolgreich heraus und der Einkaufsfuchs gab einen kurzen Piepton von sich. Nach dem Finden gleicht dieser den erkannten Strichcode mit seiner Datenbank ab und teilt anschließend in seiner angenehm klingenden Stimme mit, um welches Produkt welches Herstellers es sich handelt. So konnte ich schnell erfahren, dass es sich hierbei um "Haribo Goldbären mit 200 Gramm Inhalt" handelte.

Das war einfach. Ich ging an meinen Vorratsschrank und durchstöberte diesen. Ich scannte verschiedenste Produkte mit Erfolg und stellte dabei mehrere Dinge fest. Die Suche nach dem Barcode klappt am Besten, wenn man das entsprechende Produkt etwa in einem Abstand von 15 cm entfernt vom Einkaufsfuchs dreht. Kleine Schwierigkeiten hatte ich mit Getränkeflaschen die aus dem Kühlschrank kamen, schließlich waren diese etwas angelaufen. Davon abgesehen war es aber selbst in dunkleren Räumlichkeiten kein Problem einen Barcode korrekt zuzuordnen.

Welche Produkte befinden sich in der Datenbank?

Laut dem Handbuch des Einkaufsfuchses befinden sich mehrere Millionen Barcodes unterschiedlichster Produkte in der Datenbank und diese wird ständig erweitert. Als ich meinen Vorratsschrank durchsuchte konnte ich kaum ein Produkt finden, welches dem Einkaufsfuchs nicht bekannt gewesen wäre.

Als ich wenige Tage später den REWE Supermarkt aufsuchte stellte ich allerdings schnell fest, dass ich in den eigenen vier Wänden Glück gehabt hatte. Das Ergebnis hier war eher durchwachsen. Ungefähr jedes vierte Produkt, weitestgehend unabhängig vom Hersteller konnte in der Datenbank nicht gefunden werden.

Auch fielen mir in dieser eher unruhigeren Umgebung die verwendeten Abkürzungen für unterschiedliche Produktnamen negativ auf. So war es mir nur schwer möglich von der hörbaren Aussage "Granini Or-Mano ein Liter" darauf zu kommen, dass es sich um einen Orangen Mango Saft von Granini handelte. Ein weiteres Beispiel ist "Pas Moza Knorr Spa 2 Port" wohinter sich eine Knorr Mozzarella-Spagetti Pasta für 2 Portionen versteckte. Weiterhin musste ich feststellen dass, bei einigen Produkten der Hersteller fehlte. Nur mit Hilfe war es mir möglich zu erfahren, dass es sich bei einer Pizza Hawaii nicht um die gesuchte Pizza von Wagner sondern von Dr. Oetker handelte.

Die Aufnahmefunktion

Wie ich anfangs bereits erwähnt hatte, verfügt der Einkaufsfuchs über einen Knopf welcher für die Aufnahmefunktion zuständig ist. Mit der Aufnahmefunktion wird es möglich, eigene Produktbeschreibungen oder Ergänzungen zu Datenbankeinträgen aufzusprechen.

Dank dieser war es mir beispielsweise möglich, zu den unterschiedlichen Fastfood Produkten gleich noch abzuspeichern wie diese zubereitet werden. Weiterhin konnte ich so die angesprochenen unvollständigen oder abgekürzten Produktbeschreibungen korrigieren. Auch war es mir auf diese Art möglich Produkte die noch nicht in der Datenbank abgespeichert wurden zu erfassen. Diese können nun in Zukunft ebenso erkannt und benannt werden.

Selbst Etikettieren

Durch die mitgelieferten Barcodes kann man auch selbst viele nützliche Informationen an verschiedenen Gegenständen hinterlassen. Beispielsweise kann man Badutensilien oder eingefrorene Lebensmittel erkenntlich machen. Die Möglichkeiten sind vielfältig, auch ist es beispielsweise möglich extra Barcodes zum Anbringen an Kleidungsstücken zu erwerben. Somit wird der Einkaufsfuchs zu mehr als nur einem Einkaufsbegleiter. Der eigene Haushalt kann so sehr einfach und praktisch mit eigenen Informationen versehen werden.

Kostbarer Speicherplatz

Und damit kommen wir zur letzten zu Anfang erwähnten Komponente des Einkaufsfuchses. Alle eigens gemachten Aufnahmen werden auf der SD-Karte gespeichert. Diese bietet genügend Platz für ungefähr 5 Stunden und sie kann jederzeit durch eine größere Karte ersetzt werden. Die SD-Karte wird außerdem benötigt, um die ungefähr einmal pro Jahr erhältlichen Datenbankupdates erhalten zu können. Hierfür sind keine PC-Kenntnisse notwendig, denn man schickt diese einfach an SynPhon und bekommt sie mit der neusten Datenbank und allen vorher aufgesprochenen Audiodateien zurück.

Fazit

Der Einkaufsfuchs ist ein sehr nützliches Hilfsmittel. Die hohe Erwartungshaltung die meine Bekannte und der Produktname bei mir geschürt hatten konnte er nicht ganz erfüllen - so kann ich mir nur schwer vorstellen, allein mit diesem im Supermarkt alle gewünschten Produkte in vertretbarer Zeit zu finden. Darüber hinaus erfüllt der Einkaufsfuchs allerdings eine sehr wichtige Aufgabe. Um eingekaufte Produkte Zuhaus kontrollieren und sortieren zu können ist der Einkaufsfuchs ebenso praktisch wie bei der Nutzung mit den beigelegten Barcodes zur Markierung beliebiger Gegenstände. Die Möglichkeit selbst Beschreibungen aufzusprechen rundet diese Funktion ab.

Der Einkaufsfuchs ist in jeden Fall besser, als vergleichbare Smartphone Apps wie Barcoo oder Codecheck, da er als eigenständiges Gerät und dank des verbauten Barcodescanners deutlich schneller und zuverlässiger genutzt werden kann.

Als kleinen Kritikpunkt möchte ich ansprechen, dass SynPhon sich bemühen sollte, die Datenbank um vollständigere und nicht abgekürzte Produktbeschreibungen zu ergänzen. Eine bessere Datenbankquelle existiert sicher, sollte die Datenbank selbst erstellt sein könnte ich mir auch vorstellen als Nutzer meine Verbesserungen beizutragen.

Bei dem Einkaufsfuchs handelt es sich um ein durchaus empfehlenswertes Produkterkennungsgerät für den Alltag blinder Nutzer. Interessierten Käufern empfehle ich, sich nicht vor der Audioaufnahmefunktion zu scheuen, welche meiner Meinung nach eine unverzichtbare Funktion des Einkaufsfuchses ist. Ich bedanke mich bei SynPhon für das bereitstellen des Testgeräts.

Kommentare  

Stephan
#2 Stephan 2016-11-16 12:31
Hi Kai,
erst einmal Entschuldigung dass meine Antwort erst so spät folgt!
Woher die Infos zu den Produkten kommen und warum diese so unterschiedlich ausführlich ausfallen kann ich dir nicht sagen, dass sich dies in den kommenden Versionen verbessert vermute ich jedoch sehr stark.
Bezüglich der Gehäuseform, dies ist ja immer eine Frage des Geschmacks, ich finde dieses schlichte praktische aussehen super.
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KaiRo
#1 KaiRo 2016-11-06 10:32
Also ich finde das ein cooles Teil. Die holprigen Datenbankeinträge lassen sich sicher überarbeiten oder in geeigneter Form aktualisieren in einer späteren Version. Die nehmen sicher den Datenbestand, den auch Registrierkassen verwenden. Vielleicht dürfen dort nur eine gewisse Anzahl an Buchstaben verwendet werden.
Das Gehäuse könnte allerdings etwas stylischer sein.
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