Das Kochen gehört nicht unbedingt zu meinen liebsten Beschäftigungen. Freunde behaupten scherzhaft, dass da wo normalerweise in der Küche das Kochbuch liegt, bei mir die Gelben Seiten zu finden sind. Selbstverständlich ist das nicht ganz die Wahrheit, schließlich wüsste ich gar nicht was ich mit der gedruckten Version der Gelben Seiten anfangen soll. Ich verwende die App :-)

Spaß bei Seite, selbstverständlich kann ich Kochen und ein Kochbuch habe ich auch. "Was du kannst Kochen?" Ich bin kein Meisterkoch, aber einfache Gerichte bekomme ich hin und wie mir dies trotz Blindheit möglich ist, könnt ihr in diesem Artikel nachlesen.

Ich muss mit einem Geständnis anfangen. Ein richtiges Kochbuch besitze ich nicht. Meine Schwester hat sich vor einigen Jahren zu meinem Glück die Arbeit gemacht und die in über 90 Jahren gesammelten Rezepte meiner Oma digitalisiert und diese verwende ich nun. Auch die App vom Chefkoch nutze ich sehr gern. Ich musste jedoch schnell feststellen, dass die besten Rezepte nichts bringen, wenn man in der eigenen Küche nicht an einige Dinge gedacht hat oder Anpassungen vorgenommen hat. Wenn die richtigen Vorbereitungen getroffen wurden geht die Arbeit viel leichter von der Hand.

Am wichtigsten ist, dass man sich in der eigenen Küche auskennt und genau weiß, wo alles aufbewahrt wird. So habe ich meine Lebensmittel, Haushaltsgeräte und das Geschirr so positioniert, dass ich immer einfachen Zugang zu ihnen habe. Ärgerlich wird es bei mir, wenn ich den gesuchten Gegenstand nicht selber weggestellt habe und er sich nicht an seinem Platz befindet. Der normal Sehende sieht sich um, schaut in die einzelnen Schränke, bis er den Gegenstand gefunden hat. Ich hingegen muss umständlich danach suchen. Um es kurz zusammenzufassen, auch in der Küche ist Ordnung die halbe Miete!

Alles an seinem Platz

Die erste Besonderheit in meiner Küche sind die Gewürze. Diese bewahre ich in einem offenen Gewürzregal, alphabetisch geordnet, auf. Für Salz, Pfeffer, Muskat und Chili verwende ich Mühlen, die sich in Form und Größe unterscheiden und so "auf den ersten Blick" zu erkennen sind.

Da ich die Beschriftung nicht lesen kann, habe ich alle Gewürze mit Brailleschrift versehen. Das habe ich gemeinsam mit einem sehenden Freund gemacht. Für die Beschriftung mit Punktschrift verwende ich durchsichtiges Dymoband. Das klebt gut und ist unempfindlicher als Papier. Außerdem können meine sehenden Gäste die normale Beschriftung noch lesen.

Direkt neben den Gewürzen habe ich meinen Messerblock aufgestellt. Ich musste im Laufe der Zeit feststellen, dass ein Messer allein nicht ausreicht und ein Messerblog ist sehr praktisch. Da jedes Messer genau seinen Platz hat und ich nicht Gefahr laufe mich beim Herausnehmen zu verletzen.

Die nächste Besonderheit in meiner Küche befindet sich hinter den Gewürzen. Hier hängen meine fünf Messlöffel an der Wand. Mit ihnen ist es möglich in verschiedenen Größen von 1 bis 15 Milligramm beziehungsweise Milliliter abzumessen. Zusätzlich habe ich Messbecher für 200 Milliliter, sowie für einen halben und einen vollen Liter. Die Messbecher habe ich bei einem Hilfsmittelhändler erworben, sie haben ertastbare Markierungen für verschiedene Füllmengen. Dank dieser Markierungen ist es möglich jederzeit die richtige Menge abzumessen. Es ist darüber hinaus nützlich grobe Mengen abschätzen zu können. Daher habe ich mir das Fassungsvermögen einiger Tassen eingeprägt, um auch sie als Hilfsmittel nutzen zu können.

Nun kommt man aber nicht immer mit Messbechern und Messlöffeln aus. Man muss auch einmal eine bestimmte Menge abwiegen können. Zu meinem Glück gibt es Küchenwaagen, welche mit einer Sprachausgabe ausgestattet sind. Besonders praktisch finde ich die Zuwiegefunktion. Mit dieser positioniere ich eine beliebige Schüssel auf der Waage, stelle auf Null und fülle die Zutaten nach und nach ein. So kann ich alles in der genau richtigen Menge einfüllen und spare sogar noch Abwasch.

Die richtige Technik richtig angepasst

Um Kochen zu können benötigt es jedoch nicht nur eine Möglichkeit die richtigen Mengen zu verwenden. Ich koche mit einem handelsüblichen Elektroherd. Die einzige Besonderheit, auf die ich beim Kauf großen Wert gelegt hatte, war, dass er pro Herdplatte einen Drehregler hat, der bei den einzelnen Stufen auch fühlbar einrastet. Nur der Temperaturregler des Backofens ist ohne spürbare Stufen einzustellen. Deshalb habe ich fühlbare Punkte in 50 Grad Schritten angebracht. Wenn ich 180 Grad benötige, muss der Zeiger zwischen 150 und 200, aber etwas näher an 200 stehen. Das ist nicht ganz genau, aber ausreichend. Auch hierbei musste ich auf Unterstützung eines sehenden Freundes zurückgreifen.

Weiterhin habe ich beim Kauf des Herds darauf geachtet einen zu erhalten welcher noch über einzelne Herdplatten statt über heute übliche Glasplatte verfügt. So ist es mir einfach möglich den Topf oder die Pfanne genau auf der Kochplatte zu platzieren. Mittlerweile würde ich mir jedoch keinen solchen Herd mehr zulegen, sondern auf einen Induktions-Herd mit durchgehenden Zonen setzen.

Wenn ich Nudelwasser oder andere Flüssigkeiten erhitze, höre ich wie weit diese sind. Wenn Flüssigkeiten zu kochen beginnen, blubbern sie. Wie lange meine Nudeln, Kartoffeln oder Reis kochen stelle ich mittels einem Kurzzeitwecker fest, oder koche auch mal nach Zeitgefühl. Alexa oder Siri sind hierbei große Hilfen.

Doch selbstverständlich gehören auch Fleisch und Gemüse zu meinen Kochzutaten. Um dieses zu braten habe ich dank Monika eine super praktische Kochhilfe gefunden, mit welcher braten sehr leicht von der Hand geht.

An manchen Tagen esse ich gern einmal Nudeln mit Soße oder eine cremige Suppe. Viele Menschen verwenden zum Zerkleinern einen Pürierstab. Da ich bei der Benutzung eines solchen jedoch immer befürchte ihn aus Versehen etwas schief zu halten und meiner Küche eine neue Farbe verpassen, habe ich mir einen Standmixer gekauft. Es gibt sie in vielen Ausführungen, aber ich glaube, die Unterschiede sind marginal. Ich habe beim Kauf darauf geachtet ein Modell zu finden, welches einfach zu bedienen und zu reinigen ist. Ich verwende diesen auch oft für Smoothies, Shakes und Desserts.

Wenn ich schon bei praktischen Helferlein bin: Was wäre ein ordentliches Frühstück ohne ein Frühstücksei? Hierfür habe ich ein weiteres sehr praktisches Hilfsmittel. Das Piepei. Hierbei handelt es sich um ein Plastikei, welches zum Eierkochen mit ins Wasser gegeben wird. Es spielt drei unterschiedliche Melodien ab, je nachdem ob die Eier weich, mittel oder hart gekocht sind. So weiß ich immer wann es Zeit ist die Eier aus dem Wasser zu nehmen.

So viel aus meiner Küche. Jetzt wünsche ich euch viel Spaß beim Kochen! Wenn ihr Anregungen oder Fragen habt, schreibt einen Kommentar.

Kommentare  

Stephan
#2 Stephan 2020-02-23 12:12
Hi Gabi,
es freut mich dass dir dieser Artikel gefällt.
Ich nutze einfach aus Platzgründen keinen Eierkocher, einen anderen Grund hierfür gibt es nicht.
Gruß
Stephan
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Gabriele Bender
#1 Gabriele Bender 2020-02-20 14:45
hi Stefan, sehr guter Beitrag. Ich gebe zu, kochen ist überhaupt nicht meine Leidenschaft und ich bin froh, dass es mein Mann für mich sehr gerne übernimmt. Die von dir aufgeführten messlöffel kannte ich noch nicht. Die Messbecher besitze ich auch. Zudem frage ich mich, wieso du zum eierkochen für das Frühstück einen Topf nimmst? Ich mache dies immer mit einem eierkocher. Ist Eintopf eher von Vorteil? Viele Grüße Gabi
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