Bye Bye 2016, Willkommen 2017. Im Zuge des Jahreswechsels bin ich mal wieder alle von mir geschriebenen Beiträge durchgegangen. Hierbei ist mir aufgefallen, dass ich bisher noch nicht über meine Braillezeile berichtet habe. Ich war geschockt! Doch da ich sie beinah täglich nutze, kann ich gleich loslegen den entsprechenden Artikel zu verfassen. Da ich aber weiß, dass viele von euch noch nie etwas von einer Braillezeile gehört haben, möchte ich versuchen in wenigen Worten zu erklären worum es sich hierbei eigentlich handelt.

Was ist eine Braillezeile eigentlich?

Vor etwa 30 Jahren wurde die sogenannte Braillezeile entwickelt. Wie der Name schon vermuten lässt, können damit Braille Symbole dargestellt werden. Selbstverständlich sind dies nicht wahllose Zeichen, sondern werden Braillzeilen mit dem Computer verbunden und anschließend lässt ein Screen Reader genau den Text anzeigen der sich gerade auf dem Bildschirm befindet. Dank dieser Erfindung wurde es auch Blinden ermöglicht einen Computer zu nutzen. Im Laufe der Zeit haben sich die Braillezeilen jedoch weiterentwickelt und so können diese mittlerweile auch selbstständig oder mit einem Laptop, Tablett oder Smartphone verwendet werden.

Aber was sind Braille Zeichen?

Bei der Brailleschrift handelt es sich um die weitläufig genannte Blindenschrift oder auch Punktschrift, die sicher jeder schon einmal auf Medikamentenschachteln gesehen hat. Sie wurde nach ihrem Erfinder Louis Braille benannt. Grundsätzlich besteht die Blindenschrift aus 6 Punkten, drei Punkte übereinander, zwei Punkte nebeneinander. Mittels dieses Schemas werden Buchstaben gebildet, die aus unterschiedlich vielen Punkten und Anordnungen bestehen.

Blinde und sehbehinderte Kinder erlernen diese Schrift während ihrer Schulzeit an Blindenschulen, wodurch sie diese so schnell wie sehende Menschen die Schwarzschrift lesen können.

Späterblindete Menschen wie ich haben die Möglichkeit Brailleschrift entweder in einem der zahlreich angebotenen Punktschriftkurse beim DBSV bzw. BBSB oder in einem BFW zu erlernen.

Da es mit nur 6-Punkten in der Blindenschrift jedoch nicht genügend mögliche Anordnungen der Punkte gibt, um auch Großbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen mit einem Braillezeichen darzustellen, werden für diese speziellen Fälle zwei Braillezeichen verwendet. Bei der Braillezeile wird hingegen die spezielle Computer-Brailleschrift eingesetzt. Bei dieser sind weitere zwei Punkte unten angefügt, sodass das Braillezeichen nicht aus 6, sondern aus bis zu 8-Punkte besteht. Durch diese alternative Brailleschrift wurde es möglich Großbuchstaben oder Zahlen und Symbole mit nur einem Zeichen darstellen zu können. So wird beispielsweise bei einem Großbuchstaben zusätzlich noch der Punkt 7 und bei einigen Sonderzeichen der Punkt 8 hervorgehoben.

Wofür benötige ich eine Braillezeile?

Obwohl Screen Reader mittlerweile über eine gut verständliche Sprachausgabe verfügen, die den Text schneller vorlesen als ich diesen über die Zeile lesen kann, würde ich in vielen Momenten ohne Zeile alt aussehen. Beispielsweise wenn ich mich über ein Thema informiere. Dann finde ich häufig ausführlichere Artikel in Englisch und diese sind für mich nur mit der Sprachausgabe schwieriger zu verstehen. Auch passiert es, dass ich zu einem Thema Hintergrund-Infos vom Hersteller einhole und deshalb mit diesem telefoniere. Da ich während so eines Telefonats selbstverständlich nicht noch die Sprachausgabe am PC sprechen lassen kann, verwende ich die Braillezeile um meine vorher notierten Fragen abzulesen und mir Notizen zu machen.

Nachdem ich einen Artikel geschrieben habe, muss ich diesen selbstverständlich noch Korrekturlesen. Hierfür muss ich auf Braille zurückgreifen, schließlich sind nicht alle Rechtschreibfehler durch die Sprachausgabe erkennbar. Wenn ich den Text Korrektur gelesen habe, geht es an das richtige Formatieren. Hierfür muss ich mit dem Cursor schnell bestimmte Textstellen markieren oder zu diesen gelangen. Dies ist deutlich schneller und genauer mit Hilfe einer Zeile und dem integrierten Cursor-Routing möglich.

Ich hoffe hier ein paar gut nachvollziehbare Gründe aufgezählt zu haben, warum es für mich zwingend notwendig war, die Brailleschrift zu lernen und eine solche Zeile zu nutzen. Ich gehe davon aus, dass ich nicht der einzige bin, dem es so geht. Die Brailleschrift zu lernen und anwenden zu können ist in den oben beschriebenen Situationen unumgänglich. Dass Krankenkassen und andere Kostenträger die Kosten für das Erlernen der Brailleschrift versuchen einzusparen ist für mich daher mehr als unverständlich. Die Gründe liegen hier natürlich auf der Hand - Die Brailleschrift ist nicht in ein-zwei Stunden erlernt und eine Braillezeile kostet auch schnell mal über 5000 Euro.

Für welche Zeile habe ich mich entschieden?

Als ich mich 2008 auf die Suche nach einer zu mir passenden Braillezeile begab, stellte ich schnell fest, dass es hier sehr unterschiedliche Modelle gibt. Ich musste mir erst einmal darüber klar werden, was ich eigentlich für eine Zeile haben möchte. So ist es bei ihnen wie beim Kauf eines Autos. Es gibt Kleine, die sehr mobil sind aber nur wenig Platz bieten. Dann die Großen, die zwar massig an Platz bieten, jedoch nur eingeschränkt Mobil nutzbar sind. Zu guter Letzt gibt es die Mittelklasse, bei der man von beidem etwas hat.

Jede dieser drei Bauarten hat seine Daseinsberechtigung. So ist eine kleine Mobile, die nur Platz für etwa 10 Braillezeichen bietet, für Leute die eine Braillezeile mit ihrem Smartphone nutzen wollen interessant. Die Große Braillezeile mit bis zu 80 Braillezeichen hingegen ist für jene die ihre Braillezeile nur Zuhause oder im Büro auf dem Schreibtisch nutzen besser geeignet.

Da ich häufig unterwegs bin, suchte ich nach einer mobilen Zeile die auch das Leseerlebnis nicht negativ beeinflusst. Ich begab mich auf die Suche im Mittelklasse-Segment mit um die 40 Zeichen. Doch 40 Zeichen bedeutet, dass man häufig weiter Navigieren muss, wodurch ich bei der Wahl auch auf die Navigationsmöglichkeit Acht geben musste.

Auch wollte ich die Zeile nicht nur zum Lesen von Texten verwenden, sondern auch um an die jeweiligen Textstellen springen zu können, an denen ich mich vertippt habe. Für diesen Zweck sind Cursor-Routing-Tasten zwingend notwendig. Cursor-Routing-Tasten sind kleine Tasten die jeweils über oder unter einem Braille Zeichen angebracht sind, was bedeutet, dass bei einer Braillezeile mit 40 Zeichen ebenso 40 Cursor-Routing-Tasten verbaut wurden. Ein weiterer Grund warum ich Cursor-Routing-Tasten haben wollte ist, dass es dank dieser möglich ist, Schaltflächen betätigen zu können die sonst nur mittels eines Mausklicks aktiviert werden können.

Über manche Braillezeilen ist auch Text-Eingabe möglich. Ich wollte nicht nur an Textstellen springen oder Schaltflächen aktivieren können, ich wollte - wenn ich die Hand bereits an der Zeile habe - über diese den Text auch bearbeiten oder weiter schreiben.

Wie bereits zuvor geschrieben bin ich häufig unterwegs, weshalb ich die Zeile auch bei langen Zugfahrten nutzen möchte. Hieraus schlussfolgert auch, dass die Zeile im Akkubetrieb genutzt werden können muss. Um die Zeile mit meinem damaligen Handy verbinden zu können, war darüber hinaus eine Verbindung über Bluetooth, neben dem standardmäßigen USB, ein Wunsch von mir.

Nachdem ich mir nun über all diese Dinge im Klaren war, konnte ich mich auf die genauere Gerätesuche begeben. Selbstverständlich startete ich meine Suche wie so häufig durch gründliche Internet-Recherche, wodurch ich bereits einige Braille Zeilen in die nähere Auswahl bringen konnte. Doch leider ist es nicht möglich bei subjektiven Dingen wie der Umsetzung der Navigationsmöglichkeit allein auf Testberichte zu vertrauen.

Zu meinem Glück stand die Sight City vor der Tür. Hier wurden glücklicherweise alle Zeilen die sich in meiner engeren Wahl befanden ausgestellt. So war es mir möglich, alle an einem Ort anzuschauen und zu testen. Am Ende des Tages stand fest, dass eine Optelec ALVA BC640 mit Audio Feature Pack genau die Zeile ist, nach der ich gesucht hatte. Bei dieser wurden nicht nur alle meine Vorstellungen voll und ganz erfüllt, nein sie hatte sogar noch einige Funktionen an die ich bisher nicht gedacht hatte. Ich möchte hier noch erwähnen, dass der Zeile, so wie hinter dem Link beworben, das für mich entscheidende "Audio Feature Pack" fehlt. Wer darüber nachdenkt, sich diese Zeile näher anzuschauen, sollte unbedingt dieses mit berücksichtigen.

Seit mittlerweile guten acht Jahren ist die ALVA meine treue Begleiterin und ich möchte sie nicht missen. Wie sind eure Erfahrungen? Welche Brailezeile schrückt euren Schreibtisch?

Kommentare  

Stephan
#2 Stephan 2017-07-14 09:03
Hallo Jochen,
danke für deinen Hinweis.
Zu meiner Schande reagiere ich zwar erst sehr spät, aber ich habe den Artikel entsprechend angepasst.
Gruß
Stephan
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Jochen Schmitt
#1 Jochen Schmitt 2017-06-17 13:50
Hallo,

Ich habe noch eine redaktionelle Krrektur entdeckt:

Ziffern werden in Computerbraille mit gesetzten Punkt 6 dargestellt. Eine Ausnahme stellt die Ziffer '0' dar, die dieselbe Codierung besitzt, wie die Lautgruppe 'IE' in der normalen Braillevollschrift.

Mit freundlichen Grüßen

Jochen Schmitt
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