Stellt euch vor, es ist 5:51 Uhr morgens. Es nieselt leicht, die Tropfen trommeln auf eure Kapuze. Autos rauschen vorbei, Reifen zischen auf nassem Asphalt. Ihr steht an einer großen Münchner Kreuzung, der Blindenstock tastet suchend über den Boden. Ihr spürt die Anspannung steigen: Wo ist der Ampelmast? Wo ist der Drücker? Wenn ihr ihn nicht schnell findet, verpasst ihr die Grünphase und steht wieder Zehn Minuten hilflos im Regen. Die bekannte Mischung aus Stress, Hilflosigkeit und Frustration breitet sich aus.
Doch dann vibriert plötzlich euer Handy in der Tasche. Nur wenige Sekunden später durchbricht ein vertrautes, rhythmisches Klopfen die Geräuschkulisse – wie ein rettender Anker. Ihr wisst sofort: Da ist die Ampel! Ihr geht zielstrebig darauf zu, drückt, und wisst: Gleich wird es grün.
Genau so fühlt sich mein Alltag seit einiger Zeit mit LOC.ID an. Wie die App funktioniert, was sie konkret für mich verändert hat und warum sie mittlerweile nicht mehr wegzudenken ist, erzähle ich euch in diesem Beitrag.
In einem früheren Artikel habe ich euch von SmartAIs vorgeschwärmt. Leider wurde die App aus finanziellen Gründen eingestellt, für mich ein echter Rückschlag. Danach war ich eine Weile enttäuscht. Aber ich habe weitergesucht. Und mit LOC.IDhabe ich nicht nur eine starke Nachfolgerin gefunden, die in manchen Bereichen sogar noch besser zu meinem Alltag passt.
Was ist LOC.ID?
LOC.ID ist eine kostenlose App für iOS und Android vom Anbieter RTB Safe Traffic. Sie nutzt Bluetooth-Technologie. Stellt euch kleine Bluetooth-Sender (sogenannte Beacons) vor, die wie unsichtbare Leuchtfeuer in Ampelmasten, Bushaltestellen oder E-Rollern verbaut sind. Euer Smartphone sendet im Hintergrund ein Signal und empfängt die Antwort dieser Beacons, sobald ihr in Reichweite kommt(meist zwischen 10 und 30 Metern abstand).
Ihr müsst nichts aktiv machen. Die App läuft unbemerkt im Hintergrund, verbraucht kaum Akku und aktiviert automatisch akustische Signale oder macht bestehende Ansagen lauter. An einigen Ampeln gibt es sogar eine automatische Grünphasenverlängerung. Die ersteinrichtung ist problemlos mit VoiceOver oder TalkBack machbar, anschließend muss die App nicht mehr bedient werden. Ein echtes „Set and forget“-Tool, das einfach mitläuft.
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Wie LOC.ID meinen Alltag in München verändert hat
Ich nutze die App jetzt schon länger, egal ob ich wie in der Einleitung mit dem Blindenstock unterwegs bin oder mit meiner Führhündin Alma. Sie hat sich richtig in meinen Alltag eingeschlichen und macht viele Situationen deutlich entspannter.
Besonders beeindruckend sind die E-Roller (vor allem von Bolt). Früher bin ich öfter fast gegen einen geparkten Roller gelaufen. Die Dinger stehen oft ungünstig, halb auf dem Gehweg, und der Blindenstock erkennt sie im besten Fall erst im letzten Moment. Das führt zu Schreckmomenten, Ausweichmanövern oder gefährlichen Situationen.
Seit LOC.ID ist das anders: Schon aus mehreren Metern Entfernung fängt der Roller an zu piepsen. Ich habe genug Zeit, einen großen Bogen zu machen, ohne dass Alma oder ich erschrecken. Sobald ich vorbei bin, hört das Piepsen von allein wieder auf. Solche kleinen Dinge klingen vielleicht banal, sparen aber jede Menge Nerven und erhöhen die Sicherheit enorm.
Noch wichtiger sind für mich jedoch die Ampeln. Viele sind besonders auf meinem täglichen Weg zur Arbeit oder abends wieder stumm geschaltet. Klar, der Vibrier-Pfeil am Drücker funktioniert immer – unabhängig von der Uhrzeit oder App. Der große Vorteil von LOC.ID ist aber: Sobald ich mich der Ampel nähere, erkennt der Beacon die App und aktiviert das vertraute Klopfgeräusch.
Letzte Woche zum Beispiel auf dem Weg nachhause nach einem Konzertbesuch: Ich habe die Ampel sofort gefunden, wusste genau, wo der Drücker sitzt und konnte entspannt warten. An großen, unübersichtlichen Kreuzungen gibt mir das ein riesiges Plus an Sicherheit und Selbstvertrauen. Zusätzlich erhalte ich an vielen Ampeln eine Grünphasenverlängerung – ich muss nicht hetzen, kann in Ruhe die Straße überqueren und reduziere so mein Unfallrisiko deutlich.
Auch an Bushaltestellen und Bahnsteigen meldet sich die App rechtzeitig. Die akustischen Ansagen springen früher oder lauter an, sodass ich besser weiß, welcher Bus oder welche Bahn gerade kommt.
Was mir besonders gut gefällt
- Perfekte Bedienbarkeit: VoiceOver und TalkBack funktionieren hervorragend – ich kann alles blind steuern.
- Hintergrundbetrieb: Läuft stabil, verbraucht kaum Akku und nervt nicht mit Benachrichtigungen.
- Ampel-Aktivierung: Automatisches Klopfzeichen – für mich Gold wert.
- E-Roller-Warnung: Frühe Pieps-Meldung, bevor ich irgendwo dagegenstoße.
- Grünphasenverlängerung: Extra Zeit zum sicheren Überqueren.
- Zuverlässigkeit: Funktioniert super mit Stock und mit Alma zusammen.
- Sicherheit & Unabhängigkeit: Weniger Stress, bessere Konzentration auf den Verkehr, mehr Mut für neue Wege.
Wo es noch Luft nach oben gibt
Der Nutzen hängt stark von der Abdeckung in eurer Stadt ab. In München ist schon richtig viel vorhanden, besonders in der Innenstadt. Außerhalb und in kleineren Städten oder auf dem Land gibt es jedoch noch große Lücken. Hier liegt der Ball bei den Kommunen und Verkehrsbetrieben.
Je mehr von uns die App nutzen und positives Feedback geben (oder direkt bei den Verantwortlichen nachhaken), desto größer wird der Druck, dass mehr Beacons installiert werden. Bolt hat beispielsweise schon viele tausend Roller ausgerüstet – das zeigt, dass es machbar ist.
Fazit
LOC.ID ersetzt weder Blindenstock noch Führhund – und soll das auch gar nicht. Sie ist eine starke, sinnvolle Ergänzung, die besonders an Ampeln und bei Hindernissen wie E-Rollern echten Mehrwert bringt. Nach dem Aus von SmartAIs freue ich mich riesig, dass es solche technischen Helfer gibt, die unsere Mobilität und Unabhängigkeit spürbar verbessern.
Und jetzt seid ihr dran
Nutzt ihr LOC.ID schon? In welcher Stadt wohnt ihr und wie gut ist die Abdeckung bei euch? Habt ihr andere Apps oder technische Helfer, die euch im Alltag besonders helfen? Schreibt mir gerne in die Kommentare – ich lese jeden einzelnen und bin sehr gespannt auf eure Erfahrungen!
Transparenzhinweis:
Nein, ich werde nicht von RTB Safe Traffic bezahlt. Ich schreibe hier nur, weil die App mir wirklich hilft – und weil ich hoffe, dass dadurch mehr Städte nachrüsten. Wenn sie mir irgendwann mal einen Kaffee spendieren wollen, sage ich aber nicht nein ;-)
